Wie hoch ist der Bedarf an Lebensmittelinhaltsstoffen?

Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr - Empfehlungen, Richtwerte und Schätzwerte [23]

Im Jahr 2000 wurden die seit 1956 immer wieder an den Stand des Wissens angepassten „Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung durch die neuen „Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr“ ersetzt. Die Veröffentlichung wurde gemeinsam von den Ernährungsfachgesellschaften Deutschlands (D), Österreichs (A) und der Schweiz (CH) - D-A-CH - herausgegeben.

Der Begriff „Referenzwerte“ wird als übergeordnete Bezeichnung verstanden für „Empfehlungen“, „Schätzwerte“ und „Richtwerte“.

Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr werden nur dann ausgesprochen, wenn ausreichende wissenschaftliche Kenntnisse vorliegen, um den Bedarf an diesen Nährstoffen genau nennen zu können.
Schätzwerte werden für die Nährstoffe angegeben, für die der Bedarf noch nicht in wünschenswerter Genauigkeit ausgewiesen werden kann.
Richtwerte stellen eine Orientierungshilfe dar. Sie müssen bezogen auf den Bedarf eines einzelnen Menschen auf ihre Richtigkeit überprüft werden.

Die Übersicht zeigt für welche Größen Empfehlungen, Schätzwerte oder Richtwerte ausgewiesen werden.

 

Empfehlungen Schätzwerte Richtwerte
Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, D-A-CH 2000
Protein
Essentielle Fettsäuren
Retinol Vitamin A
Calciferol Vitamin D
Thiamin Vitamin B1
Riboflavin Vitamin B2
Niacin
Pyridoxin Vitamin B6
Folsäure
Cobalamin Vitamin B12
Ascorbinsäure Vitamin C
Calcium
Phosphor
Magnesium
Eisen
Jod
Zink
Beta-Carotin
Tocopherol Vitamin E
Phyllochinon Vitamin K
Pantothensäure
Biotin
Natrium
Chlorid
Kalium
Selen
Kupfer
Mangan
Chrom
Molybdän
Energie
Fett
Cholesterin
Kohlenhydrate
Ballaststoffe
Alkohol
Wasser
Fluorid


Die Referenzwerte sollen durch eine ausgewogenen Ernährung in einem angemessenen Zeitraum in mehreren kleinen Mahlzeiten über den Tag verteilt realisiert werden. Sie beziehen sich auf gesunde Referenzpersonen, sollen vor ernährungsbedingten Gesundheitsschäden schützen, volle Leistungsfähigkeit gewährleisten und Bedarfsschwankungen abfangen können.

Die Darlegungen sind untergliedert in „Nutritive Aspekte von Nährstoffen“ und „Präventive Aspekte von Nährstoffen und Nahrungsinhaltsstoffen“.

Durch den zweiten neu angewiesenen Aspekt wird der Tatsache Rechnung getragen, dass nach epidemiologischen Studien einer Reihe von Nahrungsinhaltsstoffen gesundheitsförderliche Effekte zugeschrieben werden können.
In die nutritiven Aspekte gehen Betrachtungen zur Nährstoffdichte, zu Nährstoffverlusten und guten Nährstofflieferanten ein. Die Zahlenwerte sind auf die üblichen Nährwerttabellen abgestimmt. Sie beziehen auch neuere Datensammlungen wie z. B. den Bundeslebensmittelschlüssel zum Nährstoffgehalt zubereiteter Lebensmittel mit ein .
Auf spezielle Lebenssituationen wie Schwangerschaft und Stillzeit, Kindheit und Jugend sowie Seniorenalter wird gesondert eingegangen.

Richtwerte für die Zufuhr an Energie [24]

Der Bedarf an Energie ergibt sich aus dem Grundumsatz, dem Arbeitsumsatz für Muskelarbeit, der Thermogenese nach der Nahrungszufuhr sowie dem spezifischen Bedarf bei besonderen Anforderungen wie Wachstum, Schwangerschaft oder Stillen eines Säuglings.
Die Berechnungen der Angaben für die Gesamtenergiezufuhr beruhen erstmals auf Messungen mit Hilfe von doppelt stabil markiertem Wasser (2H218O) und gelten für Personen mit Sollgewicht und angemessener körperlicher Aktivität.
Aus dem Quotienten des Gesamtenergieumsatzes und dem Grundumsatz ergibt sich der durchschnittliche tägliche Energiebedarf für die körperliche Aktivität in Beruf und Freizeit. Dieser Wert wird als PAL = physical activiti level bezeichnet.
Mit Bezug auf den Grundumsatz soll gewährleistet werden, dass Faktoren wie Körpergewicht, Alter und Geschlecht als beeinflussend für den Energiebedarf berücksichtigt werden. Die tatsächliche bedarfsgerechte Energiezufuhr kann nur durch regelmäßige Gewichtskontrollen festgestellt werden.

Beispiele für den durchschnittlichen täglichen Energieumsatz bei unterschiedlichen Berufs- und Freizeittätigkeiten von Erwachsenen [25]
Arbeitsschwere und FreizeitverhaltenPALBeispiele
ausschließlich sitzende oder liegende Lebensweise1,2alte, gebrechliche Menschen
auschließlich sitzende Tätigkeit mit wenig oder keiner anstrengenden Freizeitaktivität1,4 - 1,5Büroangestellte, Feinmechaniker
sitzende Tätigkeit, zeitweilig auch zusätzlicher Energieaufwand für gehende und stehende Tätigkeiten1,6 - 1,7Laboranten, Kraftfahrer, Studierende, Fließbandarbeiter
überwiegend gehende und stehende Arbeit1,8 - 1,9Hausfrauen, Verkäufer, Kellner, Mechaniker, Handwerker
körperlich anstrengende berufliche Arbeit2,0 - 2,4Bauarbeiter, Landwirte, Waldarbeiter, Bergarbeiter, Leistungssportler

Aus den zeitlichen Anteilen der jeweiligen Aktivitäten ergibt sich der tägliche Energiebedarf. Für sportliche Betätigungen oder anstrengende Freizeitaktivitäten(30 - 60 Minuten, 4 - 5 mal je Woche) können zusätzlich 0,3 PAL-Einheiten je Tag zugelegt werden.

 

Rechenbeispiel für eine im Haushalt tätige Person
Hausarbeit8 Std. x 1,9 = 15,2
Weitere Tätigkeiten8 Std. x 1,6 = 12,8
Schlaf8 Std. x 0,95 = 7,6
 35,6
Durchschnittl. PAL 35,6 : 24 = 1,48;1,48 x Grundumsatz = täglicher Energiebedarf

Im Überblick ergeben sich für Kinder und Jugendliche die in der nachfolgenden Tabelle aufgeführten Energiebedarfswerte.

Energiebedarf für Kinder und Jugendliche im Alter von 7-1010-1313-1515-19
Körpergröße cm

m129,6146,5163,1174,0
w129,3148,2160,4166,0
Körpergewicht kg                       

m 26,737,550,867,0
w26,739,250,358,0
Grundumsatz kcal/Tagm---1820
w---1460
durchschnittl. Gesamtenergiezufuhr kcal/Tag

m 1900230027003100
w1700200022002500
Werte für mittlere körperliche Aktivität kcal/kg                                     

m75645646
w68554743
Werte für geringe/hohe körperl. Aktivität kcal/kg                                       m66/8356/7150/6339/60
w60/7649/6241/5236/55

Die nachfolgende Grafik verdeutlicht die ansteigenden durchschnittlichen täglichen Energiebedarfswerte vom Säugling bis zum Alter von 18 Jahren (500-3100 kcal/Tag/m) und gegenläufig die abfallenden Energiebedarfswerte je kg Körpergewicht und Tag (94-46 kcal/kg/Tag/m).

Richtwerte für die durchschnittliche Energiezufuhr von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen (D-A-CH, 2000); Quelle: Forschungsinstitut für Kinderernährung an der Universität Witten/Herdecke (exklusive Mittteilung).

Bedarfsgerechte Zufuhr energieliefernder Lebensmittelinhaltsstoffe [26]

Zufuhrwerte für Proteine je kg Körpergewicht und Tag liegen zwischen 2,7g im Säuglingsalter, 0,9g im Alter von 4 bis 15 Jahren, bei männlichen Jugendlichen bis zu 19 Jahren und schließlich werden für weibliche Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene 0,8g empfohlen.

Bezogen auf den Energiebedarf ergeben sich im frühen Säuglingsalter, im Erwachsenenalter, insbesondere ab 65 Jahre und in der Schwangerschaft ab dem 4. Monat erhöhte Zufuhrwerte.

In einer ausgewogenen Ernährung entsprechen die Proteinbedarfszahlen einem Anteil von 8-10% der Energiezufuhr eines Erwachsenen.

Quanitität und Qualität der zuzuführenden Proteine spielen insbesondere bei veganer Kost, beim wachsenden Organismus und bei älteren Menschen eine Rolle.

Für den erwachsenen Menschen sind der Aminosäurebedarf sowie die Unentbehrlichkeit verschiedener Aminosäuren weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Die Bedarfsempfehlungen orientieren sich als pragmatische Zwischenlösung an einem gesicherten Aminosäurebedarfsmuster für 2-5 jährige Kinder.

Zu den Zufuhrempfehlungen für Fette, Kohlenhydrate und Ballaststoffe werden an anderer Stelle in diesem Kapitel Ausführungen gemacht.

Für die Zufuhr von Alkohol werden Richtwerte aufgestellt. Alkohol hat eine hohe Energiedichte und wird im Körper zu 95% in Energie umgesetzt. Suchtgefahr und zahlreiche gravierend negative Auswirkungen von Alkoholgenuß und -mißbrauch überwiegen die positive Einschätzung des Schutzes vor Herzinfarkt.

Für den gesunden Mann wird eine Zufuhr von 20g Alkohol pro Tag als gesundheitlich verträglich angegeben, für die gesunde Frau 10g Alkohol.

Bedarfsgerechte Zufuhr von Vitaminen [27]

Für die bedarfsgerechte Zufuhr von Vitaminen wurden Schätzwerte ausgesprochen für ß-Carotin, Vitamin E und K, Pantothensäure und Biotin. Empfehlungen gelten für alle übrigen Vitamine. Die errechneten und ausgewiesenen Nährstoffdichten beziehen sich auf Richtwerte für die Energiezufuhr je MJ (=239 kcal) für Jugendliche und Erwachsene beispielhaft auf einen PAL-Wert von 1,4.Bedarfswerte für die Säuglingsernährung gehen in die folgenden Betrachtungen nicht ein.

Der Bedarf von Vitamin A (Retinol) und ß-Carotin sowie einiger anderer Carotinoide wird in mg-Äquivalenten (RÄ) gerechnet, wobei 1mg Retinol-Äquivalent = 1mg Retinol z. B. 6 mg all-trans-ß-Carotin entsprechen. Für Frauen wurde die empfohlene Zufuhr um 10-20% geringer angesetzt, weil ihr Plasmaspiegel im Durchschnitt niedriger liegt. In der Schwangerschaft und während der Stillzeit liegen die Werte höher. Auch bei Senioren ist auf eine angemessene Bedarfsdeckung Wert zu legen.

Empfohlene Zufuhr Vitamin A (Retinol), Beta-Carotin [27], S. 69
Alter1-44-77-1010-1313-15 15-1919-2525-5151-6565+Schw. Stil.
mg-Ä/Tag m0,60,70,8 0,9 1,11,11,01,01,01,0--
mg-Ä/Tag w 0,60,70,80,9 1,00,90,80,80,80,81,11,5
mg-Ä/MJ m0,130,110,10 0,10 0,10 0,10 0,09 0,100,110,11--
mg-Ä/MJ w          0,140,12 0,110,110,110,110,100,100,110,12 0,12 0,14

Über die notwendige Höhe der Aufnahme von Beta-Carotin bestehen bisher unsichere Vorstellungen, insbesondere im Hinblick auf seine Funktion als Antioxidans. Aus Studien ergeben sich Schätzwerte von 2-4mg je Tag.

Für Vitamin D (Calciferole) werden die Zufuhrempfehlungen in µg ausgewiesen und beziehen sich auf oral zugeführtes Vitamin D. Der Bezug zu Internationalen Einheiten (IE) (1 IE = 0,025 µg) verweist darauf, dass Faktoren geographischer, klimatischer und kultureller Art sowie Hautpigmentierung und Alter Einfluss auf die Vitamin D-Synthese in der Haut haben. Besonderer Wert ist auf eine bedarfsgerechte Zufuhr im gesamten Wachstumsalter, bis ins 3. Lebensjahrzehnt zu legen. Im Alter lässt die Fähigkeit der Vitamin D-Synthese in der Haut deutlich nach. Eine erhöhte Zufuhr ist auch wegen verminderten Aufenthalts im Freien angezeigt.

Empfohlene Zufuhr Vitamin D (Calciferole) [27], S. 79
 Alter1-44-77-1010-1313-1515-1919-2525-515165Schw.Stil.
µg/Tag 5555555551055
µg/MJ m1,10,80,60,50,40,50,50,50,51,2 --
µg/MJ w1,1 0,90,7 0,60,5 0,6 0,6 0,60,71,40,50,5

Ausführungen zum Bedarf am Vitamin E werden an anderer Stelle in diesem Kapitel gemacht.

Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr werden für Vitamin K ausgewiesen. Analytische Probleme bei der Bestimmung des Vitamin K-Gehaltes in Lebensmitteln werden als Grund dafür genannt und fehlende aussagekräftige experimentelle Untersuchungen. Zudem wird davon ausgegangen, dass mit einer vollwertigen Ernährung ausreichende Mengen des Vitamins zugeführt werden.

Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr Vitamin K (Phillochinon/pflanzlich, Menachinon/bakteriell) [27], S. 95
Alter1-44-77-1011-1313-1515-1919-2525-5151-6565+Schw.Stil.
µg/Tag m15203040507070708080--
µg/Tag w152030405060606065656060

Empfehlungen für den Bedarf an Vitamin B1 (Thiamin) beruhen auf kontrollierten Bilanzuntersuchungen. Danach werden für Erwachsene 0,12mg/MJ bzw. 0,5mg/1000kcal empfohlen. Bei verringertem Energiebedarf sollte die Thiaminzufuhr nicht unter 1,0mg pro Tag sinken. Aufgrund des Bezugs zur Energie wurde auf die Darstellung der Nährstoffdichte verzichtet.
Bei chronischem Alkoholmißbrauch ist der Bedarf an Thiamin stark erhöht, da Absorption und Stoffwechsel gestört sind.

Empfohlene Zufuhr Vitamin B1 (Thiamin) [27], S. 101
 Alter1-44-77-1010-1313-1515-1919-2525-5151-6565+Schw.Stil.
mg/Tag m0,60,8 1,0 1,21,41,31,31,21,11,0 --
mg/Tag w0,60,81,01,0 1,11,01,01,01,01,01,21,4

Für Riboflavin wurde nach eingehenden Untersuchungen ein Referenzwert von 0,6mg/1000kcal festgelegt. Bei geringerem Energiebedarf sollte die Riboflavinzufuhr nicht unter 1,2mg/Tag sinken. Bei körperlicher Aktivität, schweren Krankheiten, chronischem Alkoholmißbrauch u. a. Anforderungen steigt der Riboflavinbedarf.

Empfohlene Zufuhr Vitamin B2 (Riboflavin) [27], S. 105
Alter 1-44-77-1010-1313-1515-1919-2525-5151-6565-Schw.Stil.
mg/Tag m 0,7 0,9 1,1 1,41,61,51,51,41,3 1,2--
mg/Tag w 0,70,91,11,21,3 1,2 1,2 1,2 1,2 1,21,51,6

Die Empfehlungen für Niacin werden auf der Basis der Energiezufuhr berechnet: 1,6mg/MJ bzw. 6,7mg/1000kcal. Da Niacin aus Tryptophan gebildet werden kann, wobei 1mg Niacin-Äquivalent 60mg Tryptophan entspricht, erfolgen die Mengenangaben in mg Niacin-Äquivalenten.

Empfohlene Zufuhr Niacin [27], S. 109
Alter1-44-77-1010-1313-1515-1919-2525-5151-6565+Schw.Stil.
mg Ä/Tag m 7101215181717161515--
mg Ä/Tag w71012131513 13 13 13 13 1517

Der Bedarf an Vitamin B6 ist wegen seiner zentralen Rolle im Aminosäurestoffwechsel abhängig vom Proteinumsatz. Für die Empfehlungen wird ein Quotient von 0,02mg Vitamin B6 pro g empfohlene Proteinzufuhr zugrunde gelegt. Bei höherer Eiweißzufuhr steigt die empfohlene Zufuhr.

Empfohlene Zufuhr Vitamin B6 (Pyridoxin) [27], S. 113
Alter 1-44-77-1010-1313-1515-1919-2525-5151-6565+Schw.Stil.
mg/Tag m0,40,5 0,71,01,4 1,6 1,5 1,5 1,51,4 --
mg/Tag w0,40,50,7 1,0 1,4 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 1,91,9
mg/MJ m 0,090,090,90,110,13 0,150,140,150,160,17--
mg/MJ w0,090,090,100,120,150,140,150,150,16    0,17 0,21 0,18

 Die Zufuhrempfehlungen für Folsäure werden in Folat-Äquivalenten ausgewiesen. Die Höhe der Zufuhr ist an neuen Erkenntnissen ausgerichtet, die zum einen die Senkung des Homocysteinspiegels im Blut betreffen und damit dessen Einfluß auf arteriosklerotische Erkrankungen. Zum anderen wird bezogen auf die Wirksamkeit bei der Zellneubildung die Höhe der Zufuhr in der Schwangerschaft und in Wachstumsphasen von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen festgelegt.

Empfohlene Zufuhr Folsäure [27], S. 117
Alter1-44-77-1010-1313-1515-1919-2525-5151-6565+Schw.Stil.
µ-Ä/Tag m 200300 300 400400400400400400400--
µ-Ä/Tag w 200 300300400400400400400400400600600
µ/MJ m43 4738433638 38 394348--
µ/MJ w 45524247 4347 49515458 6556

Für die Vitamine Pantothensäure und Biotin wurden Schätzwerte ermittelt. Bei Pantothensäure scheint der Mindestbedarf immer gedeckt zu sein. Die Zufuhrwerte belaufen sich ab dem 13. Lebensjahr auf 6mg je Tag, zwschen 1-7 Jahren sind es 4mg, zwischen 7-13 5mg/Tag.
Der Biotinbedarf kann nicht zuverlässig angegeben werden. Die Schätzwerte liegen im Kindesalter zwischen 10-35µg/Tag, ab dem 15. Lebensjahr zwischen 30-60 µg/Tag.

Der Tagesbedarf für die Zufuhr von Vitamin B12 (Cobalamine) liegt beim gesunden Erwachsenen bei 2µg. Mit Rücksicht auf die Ernährungsgewohnheiten in Mitteleuropa, bei denen davon auszugehen ist, dass nur 50% des Vitamins absorbiert werden, bei älteren Menschen sogar weniger, beläuft sich die Empfehlung auf 3µg/Tag.

Empfohlene Zufuhr Vitamin B12 (Cobalamine) [27], S. 131
Alter 1-44-77-1010-1313-1515-1919-2525-5151-6565+Schw.Stil.
µg/Tag1,01,51,82,03,0 3,0 3,0 3,0 3,0 3,0 3,54,0
µg/MJ m0,21 0,230,220,210,270,28 0,28 0,290,330,36--
µg/MJ w 0,23 0,260,250,240,320,350,370,380,410,430,380,37

Die Empfehlungen für die Vitamin C-Zufuhr erfuhren eine Steigerung, für Erwachsene auf 100mg/Tag. Diese Anhebung erfolgte aufgrund neuer Erkenntnisse zur Bedeutung des Vitamins im Immunsystem und wegen seiner antioxidativen Eigenschaften. Starken Rauchern werden 150mg/Tag empfohlen.

Empfohlene Zufuhr Vitamin C (Ascorbinsäure) [27], S. 137
Alter1-44-77-1010-1313-1515-1919-2525-5151-6565+Schw.Stil.
mg/Tag 60708090100 100 100 100 100 100 110150
mg/MJ m 13111010999101112--
mg/MJ w141211111112121314141214

 Bedarfsgerechte Zufuhr von Mengen- und Spurenelementen [28]

Empfehlungen werden ausgesprochen für Calcium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Jod und Zink.

Schätzwerte gelten für Selen, Kupfer, Mangan, Chrom und Molybdän. Für Schwefel werden keine Werte ausgewiesen, weil der Bedarf durch schwefelhaltige Aminosäuren als gedeckt angesehen wird.

Richtwerte gelten für die Fluoridgesamtzufuhr.

Für Natrium, Chlorid und Kalium werden Schätzwerte für eine minimale Zufuhr veranschlagt. Der Bedarf an Natrium und Chlorid für Erwachsene wird durch 6g Speisesalz pro Tag gedeckt, die bedarfsgerechte Zufuhr von Kalium beträgt 2-3g je Tag.Gegenüber früheren Bedarfswerten werden für Calcium höhere Werte für die Altersgruppe 13-15 Jahre ausgewiesen, weil die Pubertät durch ein besonders intensives Knochenwachstum gekennzeichnet ist. 1200mg/Tag werden empfohlen. Das entspricht einer Nährstoffdichte von 107mg/MJ bei einem PAL-Wert von 1,4 bei männlichen und 128mg/MJ bei weiblichen Jugendlichen.

Für Phosphor werden Empfehlungen ausgesprochen, die gegenüber früher deutlich niedriger liegen. Für Erwachsene werden 700mg/Tag empfohlen.

In der Pubertät und Adoleszens ist der Phosporbedarf aufgrund des Wachstums von Knochen und Geweben erhöht. Die Zufuhr von 1250mg/Tag wird zwischen 10-19 Jahren empfohlen. Auch für Schwangerschaft und Stillzeit werden Zuschläge ausgewiesen.

Die empfohlenen Zufuhrwerte für Magnesium stützen sich auf zahlreiche Bilanzuntersuchungen und orientieren sich an amerikanischen Empfehlungen. Den Berechnungen wird eine Zufuhr von 6mg je kg Körpergewicht und Tag zugrunde gelegt. Zuschläge sind erforderlich bei hohen Schweißverlusten, bei Schwangerschaft und während des Stillens. Die Bedarfswerte für Magnesium werden in Beziehung gesetzt zu den Energiebedarfswerten.

Für die Spurenelemente Eisen und Jod haben sich keine nennenswerten Änderungen in den neuen Empfehlungen ergeben.Sie werden an anderer Stelle in diesem Kapitel dargestellt.

Richtwerte für die angemessene Gesamtzufuhr an Fluorid orientieren sich an Beobachtungen in Regionen mit gemäßigtem Klima in denen die Fluoridkonzentration im Trinkwasser etwa 1mg/l beträgt und einen optimalen Schutz vor Karies bietet. Dort liegt die durchschnittliche tägliche Zufuhr für Kinder bei 0,05mg/kg Körpergewicht. Dieser Quotient wird auch dem Richtwert für Erwachsene zugrunde gelegt.Dieser Richtwert sollte abgestimmt werden mit den verschiedenen Formen der Fluoridphrophylaxe: Trinkwasserfluoridierung, Fluoridtabletten, Verwendung von fluoridiertem Speisesalz etc. .Die Empfehlungen für die Zinkzufuhr wurden auf der Grundlage neuer Untersuchungsergebnisse gegenüber früher gesenkt. Sie liegen bei 10,0mg/Tag für Männer und 7,0mg/Tag für Frauen. Für Schwangerschaft und Stillzeit wird ein Zuschlag empfohlen. Für Zink wird die Nährstoffdichte (mg/MJ) ausgewiesen.

Für Selen wird in Europa nach dem augenblicklichen Stand des Wissens für Erwachsene eine Zufuhr von 30-70µg pro Tag als angemessen angesehen. Da Selen an der Stärkung der antioxidativen Kapazität beteiligt ist, gleichzeitig aber u. a. auch in Beziehung steht zum Jodstoffwechsel sind sorgfältige Beobachtungen bezüglich der angemessenen Zufuhrhöhe angebracht. Auch über die ausreichende Selenzufuhr bei Schwangeren und Stillenden wird noch diskutiert.

Für Kupfer werden die Schätzwerte für Erwachsene im Bereich von 1.0-1,5mg pro Tag angesetzt.

Geschätzte Zufuhrwerte von Mangan liegen bei 2-5mg pro Tag für Erwachsene.

Die Zufuhr für Chrom wird für Erwachsene im Bereich 30-100µg pro Tag als angemessen angesehen.

Der Schätzwert für die Zufuhr von Molybdän liegt zwischen 50-100µg pro Tag.Während für Cobalt ein Schätzwert nicht für notwendig erachtet wird, weil es nur als Bestandteil von Vitamin B12 essentiell ist, liegt für Nickel der Schätzwert für die angemessene Zufuhr bei 25-30µg/Tag.

Der Bedarf an Ultraspurenelementen ist nach gegenwärtigem Erkenntnisstand durch die übliche Nahrungszufuhr offenbar gedeckt.

Richtwerte für die empfehlenswerte Zufuhr von Wasser [29]

Der Bedarf an Wasser errechnet sich aus der Bilanz zwischen Wasseraufnahme aus Getränken, aus fester Nahrung und dem Oxidationswasser in Protein (41ml/100g), Fett (107ml/100g) und Kohlenhydraten (55ml/100g) auf der einen Seite und der Wasserabgabe über Urin, Stuhl, Haut und Lunge auf der anderen. Für das Harnvolumen gilt beim Erwachsenen die Faustregel, dass es so groß ist, wie die Getränkezufuhr.

Der Bedarf ist u. a. abhängig von Klimabedingungen, vom Energieumsatz, von der Höhe des Proteinverzehrs, vom Kochsalzverzehr und von pathologischen Zuständen wie Fieber, Erbrechen, Durchfall etc. . Auch die Menge der Nahrungszufuhr beeinflusst den Wasserbedarf.Flüssigkeitszufuhr durch Getränke sollte erfolgen, bevor es zu Durstempfindungen kommt, da Durstempfinden, besonders bei älteren Menschen, abgeschwächt sein kann. Ein Flüssigkeitsdefizit sollte gar nicht erst entstehen. Die Gewöhnung, zu jeder Mahlzeit etwas zu trinken, sollte in der frühen Kindheit beginnen.

Richtwerte für die Höhe der Gesamtzufuhr von Wasser durch Getränke, durch feste Nahrung und Oxidationswasser betragen beim Erwachsenen 250ml/MJ (ca. 1ml/kcal), bei älteren Menschen mehr als 1ml/kcal.Für Säuglinge werden, aufgrund der relativ grösseren Körperoberfläche, ca. 1,5ml/kcal oder 360ml/MJ angesetzt, für Kleinkinder 290ml/MJ (ca. 1,2ml/kcal), für Schulkinder und junge Erwachsene etwa 250 ml/MJ (ca. 1,0ml/kcal). Die Werte gelten für bedarfsgerechte Energiezufuhr und leichte körperliche Betätigung.

Bedarfsempfehlungen für Lebensmittelinhaltsstoffe unter präventiven Aspekten [30]

Richtwerte für die Zufuhr von Wasser durch Getränke [29], S. 148
Alter 1-44-77-1010-1313-1515-1919-2525-5151-6565+Schw.Stil.
ml/Tag 820 940 970 1170 1330 1530147014101230131014701710

Die Wasserzufuhr kann durch Trinkwasser erfolgen, das lebensmittelrechtlichen Anforderungen entspricht oder durch Mineralwässer. Beiträge zur Mineralstoffversorgung sind abhängig von der jeweils speziellen Zusammensetzung.

Die bedarfsgerechte Zufuhr einiger Lebensmittelinhaltsstoffe mit präventivem Charakter wurde an entsprechender Stelle dargestellt. Dazu gehören die Vitamine Ascorbinsäure, Tocopherole und Carotinoide, Folsäure und Vitamin K sowie Selen u. a. Mineralstoffe.
Herausgestellt wird, dass die primärpräventiven Effekte in Interventionsstudien für isolierte Nahrungskomponenten sich bisher nicht beweisen lassen. Die Untersuchungsergebnisse sprechen eher für die Zuführung dieser Stoffe im Rahmen einer vollwertigen Ernährung.
Für antioxidativ wirkende sekundäre Pflanzenstoffe können Richtwerte bislang nicht genannt werden, da nur unzureichende Daten für die optimale Zufuhr verfügbar sind.
Es wird empfohlen, durch den täglichen Verzehr von 400g Gemüse und 250-300g Obst sowie von Vollkorngetreideprodukten den Anteil pflanzlicher Lebensmittel in der Kost zu erhöhen und die präventiven Wirkungen sekundärer Pflanzenstoffe in ihrer Vielfalt zu nutzen.
Auch hier wird die Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln, die sekundäre Pflanzenstoffe in konzentrierter Form enthalten, abgelehnt.