Wie ich mir einen Überblick verschaffen und zu ersten konkreten Zielen kommen kann - Phase 1

Ausgang

Ich interessiere mich dafür, die Thematik "Gesundheit" bzw. einzelne gesundheitsbezogene Themen stärker als bisher in meinem Unterricht zu behandeln. Mögliche Ausgangspunkte hierfür sind meine Überzeugung, dass solche Themenbearbeitungen zu den Aufgaben der Schule gehören, konkrete Beobachtungen in der Schule in Bezug auf gesundheitsabträgliches Verhalten, private oder (fach-) öffentliche Informationen über solches Verhalten oder die konkrete Ansprache von gesundheitsbezogenen Themen durch meine Schüler und Schülerinnen.

Ziele

Am Ende dieser Phase sollte

  • ich Klarheit bezüglich meines Interesses haben.
  • ich über Möglichkeiten, bisherige Ansätze und bestehende Ressourcen orientiert sein.
  • ich weitere Personen (meine Schülerinnen und Schüler, einzelne Kolleginnen und Kollegen) über mein Interesse informiert haben.
  • ich relativ genau wissen, welches Ziel ich (mit meinen Schülerinnen und Schülern gemeinsam) in meinem Unterricht erreichen möchte.
  • Ich erkundige mich, was meinen Schülerinnen und Schülern (und mir) am Herzen liegt.

Die folgenden Handlungsschritte sind erprobt und hilfreich, um sich einen ersten Überblick über die Thematik und ihre Bearbeitung zu verschaffen:

Ich frage mich, was mich interessiert

Die Versuchung ist gross, den "Auslöser" für Ihr Interesse direkt zu benennen ("Weil ihr immer so unkonzentriert seid, möchte ich mit euch ...!"). Formulieren Sie Ihr Bedürfnis, die Gesundheitsthematik stärker als bislang im Unterricht zu bearbeiten, in Fragen um, deren Beantwortung Sie selbst interessiert.

Solche Fragen sind sicher auch in der Lage, Neugier und Interesse der Schülerinnen und Schülern Ihrer Klasse, aber auch von Kolleginnen und Kollegen zu wecken. Besonders dann, wenn ein Handlungsinteresse als Folge eines konkreten Anlasses oder Vorfalls entstanden ist, ist es wichtig, diese Fragen personenunabhängig zu formulieren, um keine Stigmatisierung der Betroffenen zu erzeugen.

Folgende Fragen lassen sich beispielsweise formulieren:

(a) allgemein:

  • Wie ist es um die gesundheitliche Situation der Kinder und Jugendlichen bestellt?
  • Wie schätzen sich Kinder / Jugendliche selbst ein?
  • Wie nehmen Schülerinnen und Schüler die Schule / meinen Unterricht unter gesundheitsbezogenen Gesichtspunkten wahr? oder

(b) konkret:

  • Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Konzentrationsleistung meiner Schülerinnen und Schüler?
  • Lassen sich durch Umgestaltung meines Klassenraumes bessere Lernergebnisse erzielen?
  • Welchen Effekt haben Mini-Pausen (Entspannung) auf die Lernleistung meiner Schülerinnen und Schüler?Wie gehen wir mit Belastungen um?

Ich prüfe mein eigenes Unterrichtsfach und meine eigene Unterrichtsführung

Prüfen Sie zunächst ihr eigenes Unterrichtsfach daraufhin, welche Antwortmöglichkeiten sich innerhalb des Faches (z.B. Frage nach Ernährung im Fach Biologie / Biochemie usw.) oder welche Antwortmöglichkeiten sich durch Ihre Unterrichtsführung ergeben (Frage nach Konzentration und Redundanzen, Pausen, Zusammenfassungen usw.).

In Bezug auf Ihren Unterricht sind u.a. folgende Fragen hilfreich:

  • Wie lege ich die inhaltlichen Schwerpunkte fest (allein, mit Schüler(inne)n, mit Kolleg(inn)en)?
  • Wie sieht es mit meiner Zeiteinteilung aus (neue Informationen, Wiederholungen, Fragemöglichkeiten, Pausen, ...)?
  • Stelle ich inhaltliche Bezüge zwischen verschiedenen Lehrstoffen her?

Ich informiere mich selbst

Orientierung und Mobilisierung gehen ineinander über. Dann, wenn Sie sich selbst informieren und nicht nur "statische" Quellen wie Literatur, Bibliotheken, Arbeitsberichte nutzen (sich orientieren), sondern auch Personen in Ihrem Umfeld befragen (Schülerinnen und Schüler, Kolleg(inn)en, Bekannte ausserhalb der Schule), werden Sie bereits einzelne von diesen für Ihre Fragestellung interessieren (mobilisieren).

Gute Informationsquellen sind neben der Fachliteratur Servicestellen der Krankenkassen, Gesundheitsämter, Angebote der Volkshochschulen und Sportvereine, Fitnessstudios usw.

Prüfen Sie vor allem Informationen innerhalb Ihrer Schule (Befragen von Kolleg(inn)en)

Ich informiere meine Schülerinnen und Schülern, dass mich diese Fragen beschäftigen

Informieren Sie Ihre Schülerinnen und Schüler, dass Sie diese Fragen beschäftigen. Klären Sie in ersten Unterrichtsgesprächen deren vorläufige Antworten. Machen Sie dabei deutlich, dass es Ihnen darum geht, die Fragen gemeinsam zu bearbeiten und zu beantworten. Hier können Sie auch eine erste, vorsichtige Orientierung darüber erhalten, wie die gesundheitliche Situation Ihrer Klasse(n) konkret im Verhältnis zu den allgemeinen Informationen aussieht, also der "Krankenstand", das gesundheitsangemessene Verhalten, die weiteren wichtigen salutogenen Faktoren, die Wahrnehmung der Schule durch die Schülerinnen und Schüler und / oder ihre konkreten Vorstellungen über Gesundheit.

Sie können für den Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern "Türöffner" nutzen:

  • Comics, Notizen aus der Presse, Filmausschnitte, szenische Darstellung, Provokationen (z.B. die provokative Aussage: "Wer sich nicht bewegt, bleibt sitzen!")... oder
  • Impulsbeiträge oder Kurzstatements (vgl. diese Informationen)

... oder

  • Kleingruppenarbeit und Kartenabfrage zur Beteiligung der Schülerinnen und Schüler

Ich nehme ersten Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen auf

Sprechen Sie mit Kolleg(inn)en, mit denen Sie einen guten Kontakt haben, über Ihre Fragen (s.o. sich selbst informieren). Bieten Sie an, sie an den Ergebnissen zu beteiligen, bitten Sie aber auch darum, ggf. (fachspezifische) Unterstützung zu erhalten.

Kolleg(inn)en durch Anfragen einbeziehen (nicht durch Belehren!):

  • "Ich habe gelesen, dass die Kinder heutzutage in zunehmendem Maße unter Konzentrationsstörungen leiden und seither fällt es mir auch auf, dass in meinen Klassen etliche Schüler davon betroffen sind. Ich überlege, wie ich meinen Unterricht gestalten könnte, um diesen Schülern etwas zu helfen. Hast du da eine Idee?"

Wir formulieren eine erste Zielbestimmung

Formulieren Sie gemeinsam mit Ihren Schülerinnen und Schülern ein erstes Veränderungsziel.

Frau A. sammelt im Rahmen einer Unterrichtsstunde an einer Wandzeitung alle Ideen über Veränderungsziele per Zuruf;

Herr B. führt in seiner Klasse eine Kartenabfrage zum Thema: "Ich möchte erreichen, dass ich ..." durch.

Weitere mögliche Schritte in dieser Phase

  • Kontakt mit Institutionen und Fachleuten aufnehmen
  • Eltern der Klassen informieren
  • Schulleitung informieren
  • Klassenkonferenz / Fachkonferenz informieren
  • sich mit Beratungslehrer(inne)n zusammensetze
  • (in Bezug auf spezifische Gesundheitsprobleme) Selbsthilfeorganisationen ansprechen
  • Informationspool (Bücherregal, Ordner) zum Thema in der Klasse aufbauen
  • ...

Ulrich Barkholz, Georg Israel, Peter Paulus, Norbert Posse: Gesundheitsförderung in der Schule. Ein Handbuch für Lehrerinnen und Lehrer. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest 1997.
© Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest