Phase 1: Orientierung und Mobilisierung

Fragen und Anlässe personenunabhängig formulieren und eigenes Unterrichtsfach prüfen

Frau A. setzt sich zunächst nur mit einer Kollegin zusammen, und beide entwickeln eine Reihe von Fragen, deren Beantwortung Frau A. hilft, sich ein klareres Bild davon zu machen, welche Möglichkeiten in der Bearbeitung eines "Zeit-Themas" für sie und ihre Klasse stecken.

  • Welche Freiräume zur Gestaltung von "Eigenzeit" (Projekt- oder Freiarbeit) ermögliche ich den Schülerinnen und Schülern in meinem Unterricht?
  • Nehme ich unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten meiner Schülerinnen / Schüler wahr und akzeptiere ich diese?
  • Welche Arbeitstechniken zur Reduzierung von "Zeitdieben" und "Zeitfressern" wende ich in meinem Unterricht an bzw. vermittle ich an die Schülerinnen und Schüler?
  • Gibt es für mich und meine Schüler Strategien der "Entschleunigung" und Phasen der Ruhe in Bezug auf meinen Unterricht?
  • Fühle ich mich häufig als atemloses Opfer eines äussern Sogs des Immer-Schneller und gönne ich mir Aus- und Atempausen?

Frau A. spricht mit ihrer Klasse darüber, dass sie sich in letzter Zeit mit dem Thema "Mein Umgang mit der Zeit" beschäftigt hat und nun mit ihrer Klasse einen Einstieg in das Thema suchen möchte. Sie teilt die Fragen, die sie schülergerecht umformuliert hat, als Fragebogen aus (mit Statements, denen die Schülerinnen und Schüler zustimmen oder die sie ablehnen können, z.B. "Ich habe das Gefühl, dass Frau A. das Tempo, mit dem ich den Unterrichtsstoff verstehe, kennt und darauf reagiert, wenn es für mich zu schnell oder zu langsam wird" ...). Die Aspekte, die in der Klasse eine hohe Häufigkeit haben, werden gemeinsam näher betrachtet und in die folgende erste Zielbestimmung aufgenommen.
Zielbestimmung

Hier sammelt die Klasse nach einer kurzen Kleingruppenarbeit mögliche Ziele für ein gemeinsames "Zeit-Projekt". Die Ziele werden an der Tafel festgehalten. Frau A. formuliert daraus für die nächste Unterrichtsstunde mögliche Zielprojekte und erläutert diese.

  • Anfang und Ende des Unterrichts als gemeinsame Einstimmungen und Ausklänge bewusst gestalten und gegebenenfalls ritualisieren
  • Achtsamkeit entwickeln für das eigene In-der Zeit-Sein und bewusste Gestaltung von Eigenzeiten mit Rücksicht auf endogene Rhythmen
  • Vermittlung und Anwendung von Arbeitstechniken zur Reduzierung von "Zeitdieben" im schulischen Alltag, z. B. im Unterricht und bei Hausaufgaben
  • Strategien der Entschleunigung nutzen und "Oasen der Ruhe" bzw. stressfreie Zonen einrichten

Ulrich Barkholz, Georg Israel, Peter Paulus, Norbert Posse: Gesundheitsförderung in der Schule. Ein Handbuch für Lehrerinnen und Lehrer. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest 1997.

Wir danken Siegfried Seeger, Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz (Mainz), für seine methodisch-didaktischen Anregungen, welche in dieses Kapitel eingeflossen sind.