MindMatters – Suizidprävention – ein Beispiel

Im Rahmen der Förderung psychischer Gesundheit in der Schule ist die Suizidprävention ein essentieller Bestandteil, der sich darauf konzentriert, eine unterstützende produktive Lernumwelt zu fördern und einzelnen jungen Menschen in Not zu helfen. Effektive Suizidprävention bemüht sich um die Stärkung der Resilienz (Widerstandsfähigkeit) und um die Stärkung der Verbundenheit mit der Schule und des Selbstwertgefühls (Bründel 2004). An diesem Beispiel soll im Folgenden ein Einblick in die Möglichkeiten gegeben werden, die das Programm MindMatters bietet. Schulen, die gerade an ihrem Schulprogramm arbeiten, können die Suizidprävention direkt integrieren oder bei der Erarbeitung eines Handlungsplans für Krisensituationen mit bedenken. Alle Aktivitäten zur Suizidprävention müssen mit eventuellen Ländervorgaben übereinstimmen. Nach dem augenblicklichen Kenntnisstand gibt es allerdings aus den Kultusministerien keine verbindlichen Richtlinien, weder für die Suizidprävention noch für das Verhalten nach einer Krisensituation wie einem Suizid. Vom Berufsverband der Schulpsychologen wurden auf Bundes- wie auch auf regionaler Ebene verschiedene Vorschläge zum Umgang mit Krisensituationen in Schulen erarbeitet. Auch aus der Schweiz liegen umfangreiche Richtlinien und Interventionsleitfäden vor, die zu dem Ansatz von MindMatters eine große Nähe zeigen.

Die MindMatters-Unterrichtsmaterialien unterstützen Schulen in ihrem präventiven Handeln. Durch die Behandlung von Themen wie Mobbing, Verlust und Trauer, psychische Krankheiten und Stärkung der Widerstandfähigkeit (Resilienz) wird deutlich, wie die Verbundenheit zur Schule, die individuellen Fähigkeiten bei der Bewältigung von belastenden, schwierigen Situationen und das hilfesuchende Verhalten gefördert und kooperativ erarbeitet werden können.

Das Konzept der Gesundheitsfördernden Schule bietet den Rahmen für die Aufnahme der Suizidprävention ins Schulprogramm. Dieses Modell erlaubt es Schulen, die Suizidprävention nach einem ganzheitlichen Ansatz in ihren Schulalltag zu integrieren.

Eine Gesundheitsfördernde Schule beschäftigt sich zwar mit den Risikofaktoren von Suizid, stärkt aber vorrangig die Widerstandsfähigkeit (Resilienz), ohne dabei das Thema Suizid bewusst in den Mittelpunkt zu rücken. Im Bedarfsfall wird das Thema Suizid jedoch offen und respektvoll behandelt.

MindMatters basiert auf dem Konzept der Gesundheitsfördernden Schule und integriert die drei der vier zuvor genannten Handlungsfelder: Curriculum, Schulkultur und Partnerschaften.

  • Curriculum - offizieller und heimlicher Lehrplan: was unterrichtet wird und wie unterrichtet wird.
  • Schulkultur und -umwelt - Vereinbarungen und Methoden, die den Aufbau einer sicheren, fürsorglichen und unterstützenden Schulumwelt fördern.
  • Partnerschaften und Dienste - die Einbeziehung von Familien, Beratungs- und Gesundheitseinrichtungen und des weiteren Schulumfelds zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden.

Häufig wird von Schulen, die sich als Ort der Gesundheitsförderung sehen, nur der Bereich des Curriculums bedacht. Der Einfluss von Schulkultur und Schulumwelt bleibt ausgeblendet. Ebenso werden die Kraft und das Potential, die aus Partnerschaften mit Eltern und der Gemeinde gewonnen werden können, nicht bedacht. Jedes Engagement einer Schule in einem der drei Bereiche ist positiv und begrüßenswert. Die effektiven Veränderungen in einer Schule ergeben sich jedoch aus der Einbeziehung der drei Bereiche.

Das Rahmenkonzept der Gesundheitsfördernden Schule legt einen aktiven, mehrdimensionalen, primärpräventiven Ansatz statt eines reaktiven nahe. Im Kern ist ein solcher Ansatz lebensbejahend. Das Konzept regt dazu an, dass:

  • Schulen ihre weitere Umgebung, in der die jungen Menschen leben und lernen, beachten und einbeziehen.
  • Schulen die Verbindung zwischen Curriculum und Gesundheits- bzw. Unterstützungsangeboten überprüfen und verändern.
  • Schulen auch die Beziehung zwischen interner Unterstützung und allgemein verbindlichen Regeln des Umgangs miteinander prüfen und verändern.
  • Schulen die Wichtigkeit zuverlässiger und beständiger Partnerschaften mit den Eltern, verschiedenen Gemeindegruppen, Beratungs- und Gesundheitsdiensten erkennen und auf diesem Gebiet aktiv werden.

Eine Gesundheitsfördernde Schule bietet für alle Schulmitglieder eine sichere fürsorgliche Lernumwelt, die die Förderung von gegenseitigem Respekt und Würde durch ganzheitliche Programme aktiv anstrebt, die Mobbing, Rassismus und Vorurteile gegenüber Homosexualität in der Schule reduzieren.

Schulen, die ein Schulprogramm oder schulische Vereinbarungen zur ganzheitlichen Förderung der psychischen Gesundheit entwickelt oder ihr bestehendes Schulprogramm erweitert haben, können ihren Ansatz zur Suizidprävention daher auch auf eine breitere Basis stellen und in Krisensituationen wesentlich effektiver agieren. Ein solches Programm sollte auf aktuellem Wissen basieren, die besonderen Gegebenheiten der Schule und ihrer Schulmitglieder berücksichtigen und die Aspekte Krisenmanagement und Prävention von Jugendsuizid enthalten. Ein

Schulprogramm kann auch helfen, die Angebote externer Organisationen zur Suizidprävention besser einschätzen zu können.

Für Suizidprävention sollte im Schulprogramm ein eigenes Kapitel oder ein eigener Abschnitt entwickelt werden. Dabei sind zwei Aspekte von zentraler Bedeutung:

  • die aktive Beteiligung von Kollegium, Schüler / innenvertretung, Eltern und weiterer Schulmitglieder an der Entwicklung oder Überarbeitung und
  • ein kurzer verständlicher, übersichtlicher Text.

Ein solches Programm oder eine solche Vereinbarung kann z. B. zu Krisensituationsvereinbarungen, Drogenpräventionsvereinbarungen und anderen Vereinbarungen wie zum freundschaftlichen Verhalten hinzugefügt werden.

Ein Schulprogramm oder eine schulische Vereinbarung zur Suizidprävention könnte folgende Punkte umfassen:

Ziele zur Bereitstellung und Förderung:

  • einer sicheren und unterstützenden Schulkultur (physische, soziale und emotionale Sicherheit werden berücksichtigt)
  • von sicheren, angemessenen und die psychische Gesundheit fördernden Lehrplaninhalten
  • interner Unterstützungsangebote für alle Schulmitglieder

Pläne, Strukturen und Methoden für Krisensituationen und Nachsorge enthalten:

  • klare und präzise Angaben, die den Minimalstandard und das konkrete Vorgehen verdeutlichen
  • Angaben zur Weitergabe von Informationen innerhalb der Schule

Fort- und Weiterbildung:

  • Pläne, die gewährleisten, dass alle Lehrkräfte ein Einführungstraining zum Thema Jugendsuizid erhalten
  • Beschreibung der Einbeziehung von interessierten Eltern, Gesundheitseinrichtungen, Beratungsstellen, und Gemeindemitgliedern
  • Nennung von Lehrkräften und Beratungslehrkräften, die erweiterte Fortbildungen wahrnehmen, z. B. über Risikoeinschätzung und Reaktionen auf Krisensituationen

Unterstützung für Schülerinnen und Schüler:

  • Schulinterne Beratungsangebote
  • Unterricht zur Förderung der psychischen Gesundheit für alle Schülerinnen und Schüler
  • Angestrebte Veränderungen im organisatorischen Ablauf des Schulalltags (vgl. Pastoral Care S. 21) durch Trennung von Organisatorischem und Fachlichem.
  • Zusätzliche Unterstützung in Krisensituationen
  • (Früh-)Erkennungsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Bedürfnissen bzw. Risikoschülerinnen und -schülern

Unterstützung von Lehrerinnen und Lehrern:

  • Ständige Unterstützung in und nach einer Krisensituation
  • Beratungsangebote außerhalb der Schule
  • Unterstützung durch Eltern und weitere Experten

Einbeziehung von Eltern:

  • die Art und Weise, wie Eltern einbezogen, beteiligt, konsultiert und unterstützt werden sollen und wie auf elterliche Sorgen reagiert werden soll

Kontakte zur Weitervermittlung von Schülerinnen und Schülern:

  • Beziehungen, die die Schule zu externen Organisationen hat
  • Detaillierte Beschreibung der Vorgehensweise bei Weitervermittlungen, einschließlich der Nachsorge
  • Vorhandene Protokolle zur Weitervermittlung an die genannten Organisationen und die weitere Rolle der Schule während der Behandlung
  • Regelmäßig aktualisierte Liste von Kontakt-, Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten MindMatters ist aus dem Setting-Konzept der Gesundheitsfördernden Schule entstanden, ist aber einen entscheidenden Schritt weitergegangen: Das Programm hat eine thematische Strategie, die perspektivisch mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schule verbunden ist.


MindMatters ist demnach ein Programm, das sich auf dem Weg befindet, mit psychischer Gesundheit gute Schule zu machen. Es wird stärker in dieser Richtung weiter entwickelt werden, damit es anschlussfähig wird an Anschub.de, („Allianz für nachhaltige Schulgesundheit und Bildung in Deutschland"), das national innovativste Konzept schulischer Gesundheitsförderung. Es verkörpert den Ansatz der guten gesunden Schule.