Phase 2 Situationsanalyse und Konkretisierung der Problemlagen
Wie wir von der Analyse der Situation unserer Schule bis zu einer konkreten Bestimmung der zu bewältigenden Probleme gelangen (Phase 2)

Ausgang:

Wir als Gruppe von (Fach-) Kolleg(inn)en haben uns vorläufig auf eine Problembearbeitung geeinigt und treffen uns (regelmäßig).

Ziele:

Am Ende dieser Phase sollte/sollten

  • uns klar sein, was in der Schule bereits in Bezug auf das Thema versucht wurde und welche Ergebnisse diese Versuche hatten;
  • wir relativ gesicherte Hypothesen darüber haben, welche Faktoren bislang dazu geführt haben, die entsprechende Thematik nicht umzusetzen;
  • uns Informationen darüber vorliegen, wer welche Ressourcen einbringen kann;
  • uns die wichtigsten Informationen bezüglich des ausgewählten Zielaspektes vorliegen (was ist vorhanden - was ist nicht vorhanden);
  • wir eine relativ genaue Beschreibung der möglichen Schwierigkeiten vorgenommen haben;
  • ...

Hilfreiche Schritte können sein:

Wir sammeln bisherige Arbeitsansätze

Vielleicht liegen an Ihrer Schule schon einzelne Versuche vor, deren Verlauf und Ergebnisse Sie für Ihre Arbeit nutzen können: einzelne Unterrichtsprojekte, Themen in Fortbildungen, zu denen Kolleg(inn)en waren, Diskussionen in Konferenzen und dazugehörige Beschlüsse usw. In Erweiterung zur ersten Informationssammlung sammelt Ihre Gruppe solche Daten nun systematisch und wertet sie in der Analysephase aus.

Die Arbeitsgruppe mit Frau B. analysiert zum Beispiel die Protokollbücher der Lehrerkonferenzen der vergangenen 10 Jahre daraufhin, ob es bereits Ansätze in eine ähnliche Richtung gegeben hat wie ihr geplantes Projekt zur Lehrerkooperation. Zu welchen Ergebnissen haben die damaligen Bemühungen geführt?

Zusätzlich werden die verschiedenen Fachkonferenzen gebeten, ihre Erfahrungen über Kooperation im Unterricht mitzuteilen.

Wir bilden Hypthesen über Gelingen / Misslingen

Es ist wichtig, sich vor allem die Ansätze einmal näher anzusehen, die im Sand verlaufen sind. Hier Ideen dazu zu entwickeln, was das Scheitern bedingt haben kann, kann helfen, den Widerständen und möglichen Barrieren (s.u.) auf die Spur zu kommen. Aber auch Hypothesen darüber, was dazu geführt hat, dass einzelne Ansätze umgesetzt wurden und gelungen sind, führen ein Projekt weiter. Aus diesen Erklärungsmodellen ergeben sich Anhaltspunkte für die weitere Planung.

Einzelne Versuche hat es an der Schule von Herrn C. bereits gegeben, aber sie verliefen im Sande. Die Projektgruppe setzt sich zusammen und diskutiert mit Hilfe einer Kräftefeld-Analyse über die Ursachen für das Scheitern. Die Ergebnisse werden in einer Mind-Map zusammengetragen

Wir klären Ressourcen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Ihrer Gruppe haben alle unterschiedliche Stärken und Schwächen, die allerdings in der Regel im Lehrberuf kaum zum Thema werden. Hier geht es darum, gemeinsam herauszufinden, welche Stärken die einzelnen in Bezug auf die anstehenden Problemlösungen mitbringen und ob gegebenenfalls der Kreis um entsprechend kompetente Kolleginnen oder Kollegen erweitert werden müsste. Dies macht schon deutlich, dass natürlich ein größerer Arbeitskreis mehr "Auswahl" hat.

Vielleicht können Sie innerhalb der Arbeitsgruppe entscheiden, einzelne Schülerinnen und Schüler, die ja in gewisser Weise auch von Ihrem Projekt betroffen sind, zu motivieren, an den Treffen teilzunehmen und mit ihren Sichten, aber auch Stärken und Schwächen, die Arbeit zu unterstützen.

Hierfür beginnen die Kolleginnen und Kollegen in der Fachkonferenz bei sich selbst. Z.B. in Form einer (anonymen) Chiffreanzeige:

("Lehrer /in mit folgenden Qualitäten ... sucht Schule, die ... . Er/sie erwartet Unterstützung bei ...") sprechen sie über ihre Stärken und Schwächen sowie über ihr Bild von Schule und der Lehrerrolle.

Wir klären Defizite und Stärken

Wenn Sie die Situation, in der Sie arbeiten, genauer in Richtung auf die Faktoren analysiert haben, die hinderlich bzw. förderlich für die Zielerreichung sind, und wenn Sie daneben Ihre eigenen Stärken stellen, so werden Sie als Ergebnis eine "Liste" erhalten, in denen einzelne Problembereiche deutlich durch Ihre Kompetenzen abgedeckt sind, andere allerdings außerhalb Ihrer Kompetenz oder Ihres Handlungsspielraumes liegen. So liegen bereits möglicherweise viele Arbeitsmaterialien vor oder Sie können innerhalb Ihrer Gruppe optimal Informationsmaterialien aufbereiten, weil die entsprechenden Ausstattungen (evtl. privat) vorhanden sind, aber Sie können nicht den Stundenplan ändern, um in Biologie nur in Doppelstunden zu arbeiten.

Die "Lücken" in Ihrer "Liste" (beides natürlich nur bildhaft und abhängig davon, wie Sie arbeiten), sind Ihre ganz konkreten Ausgangspunkte für die Suche nach "Verbündeten".

Frau D. führt in ihrer Arbeitsgruppe folgende Erhebungsmethode durch: "Der fremde Besucher". Die Ergebnisse werden gemeinsam zusammengetragen und ausgewertet.

Schwierigkeiten (personale, sachliche, organisatorische) beschreiben

Aus den in der Analyse nun deutlich zu Tage tretenden "hinderlichen Situationsbedingungen" ergeben sich Ihre Ansatzpunkte für die Planung. Hierbei ist es sinnvoll, die hinderlichen Faktoren (also: Was steht uns im Weg, so dass wir das geplante Ziel nicht unmittelbar erreichen können?) in unterschiedliche Bereiche aufzuteilen. Als hilfreich haben sich ergeben: personale, sachliche und organisatorische Faktoren. Diese Trennung ist in der Realität leider nicht immer so eindeutig wie auf dem Papier. Vor allem organisatorische Faktoren sind oft mit personalen verknüpft, da die Organisation einer Schule immer von Personen gemacht wird.

Nachdem die Informationen auf ihren Bezug zum Projekt abgeklärt sind, beschäftigt sich die Arbeitsgruppe vor allem mit den Faktoren, die die bedeutsamsten Schwierigkeiten auf dem Weg zu einem erfolgreichen Projekt darstellen.

Ulrich Barkholz, Georg Israel, Peter Paulus, Norbert Posse: Gesundheitsförderung in der Schule. Ein Handbuch für Lehrerinnen und Lehrer. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest 1997.