Lehrergesundheit – ein Baustein einer gesundheitsfördernden „Berufsschule“

Wie kann man nun den überfälligen Wandel von Schulen fördern und gleichzeitig den Widerstand zwischen den Change-Agents und ihren Änderungstheorien möglichst gering halten?

In einem Projekt, das von der DAK, dem Gemeindeunfallversicherungsverband Westfalen-Lippe und dem Bundesverband der Unfallkassen getragen wird, haben wir uns zu diesem Zweck an folgenden Entwicklungsprinzipien orientiert:

  • Partizipation: Ist-Analyse und frühzeitige Beteiligung des Kollegiums bei der Zielformulierung zur Vermeidung von Widerstandsreaktionen durch vorgegebene Ziele
  • Selbststeuerung: eigenständige Entwicklung und Umsetzung schulspezifischer Maßnahmen durch Beteiligungsgruppen mit ähnlichen Änderungstheorien
  • Schulspezifische Diagnosen der Belastungen und Ressourcen sowie Rückmeldung der Ergebnisse zur Förderung der Änderungsmotivation:
    • Das Bewusstsein für Stärken und Probleme schaffen;
    • interindividuell ähnliche Einschätzungen als Basis zur Bildung von Beteiligungsgruppen;
    • Veränderungspotenzial durch vergleichende Selbst- und kollegiale Fremdeinschätzung.
  • Evaluation der Prozesse und Ergebnisse.

Von besonderer Wichtigkeit war für uns die kooperative Diagnose mit den Beteiligten,um individuelle und schulspezifische Stärken und Risikofaktoren aus den gemeinsamen Einschätzungen zu identifizieren, die die individuellen Entwicklungstheorien aktivieren. Ziel war es, Beteiligungsgruppen zu gründen, die sich hinsichtlich ihrer Diagnosen und Entwicklungstheorien gegenseitig unterstützen und die von einer Steuerungsgruppe koordiniert werden.

Innerhalb der ziel- und strategiehomogenen Gruppen blockierten sich die Change-Agents also nicht gegenseitig. Erste Erlebnisse persönlicher und kollegialer Change-Ability wurden möglich, freilich um den Preis, dass manche aus Expertensicht vordringliche Änderungsschritte nicht bearbeitet wurden, weil die subjektiven Änderungsstrategien einen anderen Fokus hatten.

Folgende Ergebnisse des Projektes sind festzuhalten:

  • Die Diagnosen zeigen große Unterschiede bei den Personen einer Schule sowie zwischen den Schulen.
  • Die Rückmeldung über vorhandene Ressourcen und Risikofaktoren fördert vermutlich Selbstwirksamkeitserfahrungen und das Bewusstsein für den individuellen und kollektiven Änderungsbedarf.
  • Die Informationen über Ähnlichkeiten und Unterschiede der Ressourcen und Risikofaktoren innerhalb der Kollegien sowie zwischen Schulen haben große motivierende Funktion. Es lohnt sich daher, diese bewusst zu machen.
  • Bei der Auswahl der Entwicklungsinitiativen bestehen zwei Möglichkeiten: manche Beteiligungsgruppen orientieren sich an den bereits vor Projektbeginn bekannten Änderungsbedürfnissen, andere konzentrieren sich auf die in den Diagnosen ermittelten Problemlagen.
  • Wenn die Lehrkräfte sich ihren Änderungsbedürfnissen als Untermenge des diagnostizierten Änderungsbedarfeszuwenden, ist das nicht nur als ihre Entscheidung zu respektieren. Es macht u.E. auch Sinn, weil die Lehrkräfte so intrinsisch motiviert erfahren, dass sie nicht nur Opfer, sondern auch Mitgestalter ihrer Arbeitsbedingungen sind.
  • Die Beteiligungsgruppen arbeiten kontinuierlich, weil sich Personen mit denselben Änderungstheorien und Zielen zusammenfinden und kooperieren.

Tabelle 1 zeigt im Folgenden, wie die Beteiligungsgruppen sich je nach ihren konsensfähigen Entwicklungstheorien auf verschiedenen Gebieten engagiert haben.