U-Prozedur

Ziel:

Das Grundanliegen dieser Gesprächsmethode ist es, die Spannung zwischen historisch gewachsenen und der für die Zukunft wünschbaren Organisation bewußt zumachen.

Durchführung:

Die angewendete Gesprächsmethode hat, wegen ihrer besonderen Struktur, die Bezeichnung "U-Prozedur" erhalten. Aufgrund ihrer Bedeutung für die Problembearbeitung soll sie hier in groben Zügen beschrieben werden.

Man geht bei dieser Methode von ganz konkreten Geschehnissen und Tatbeständen in der Organisation aus und analysiert sie, bis zutage tritt, welches Gedankensystem in der bestehenden Situation (meist implizit, unausgesprochen) als Realität gewirkt hat. Erst wenn das aus der Vergangenheit stammende, implizite Grundsatzsystem sichtbar geworden ist, kann eine grundlegende Veränderung von Strukturen, Rollen, Arbeitsweisen usw. erfolgen, die von neuen Konzeptionen ausgehen wollen.

Wenn z.B. das Beurteilungsverfahren in der Schule analysiert werden soll, kann dies etwa so geschehen:

1. Schritt:

Im ersten Schritt dieser Prozedur beschreibt eine Gruppe gemeinsam, wie bestimmte Abläufe faktisch aussehen,
z.B.: Welche Methoden werden angewendet? Es ist vor allem das bestehende Ziffernsystem, das registriert, über welche reproduzierbaren Kenntnisse man verfügt; solche Noten werden für spezielle Arbeiten gegeben, die den Schülern zu bestimmten Zeiten aufgetragen werden. Im übrigen werden sporadisch noch für stichprobenartig durchgeführte Tests Noten gegeben usw.

2. Schritt:

Der zweite Schritt der Prozedur setzt sich nun mit den Rollen der bei diesem Geschehen betroffenen Personen auseinander.
Im Falle unseres Beispiels:

  • Was haben die einzelnen Lehrer zur Gesamtnote eines Schülers beizutragen?
  • Wie verständigen sie sich über die Leistungen des Schülers?
  • Ist die Objektivität der Notengebung gewährleistet?
  • Welches ist die Rolle des Schülers selbst? Ist er rein passiv beteiligt?
  • Wie wirken die Eltern bei der ganzen Sache mit?Welcher Einfluß kommt den verschiedenen Gruppen eigentlich zu?

3. Schritt:

Im dritten Schritt versucht man herauszufinden, welche unausgesprochenen Grundsätze das Verfahren einerseits und die Rollen- und Verantwortungsteilung andererseits bestimmen.
Diese Grundsätze werden etwa so formuliert: "Das Notensystem ist in erster Linie ein Selektionsinstrument, nicht ein Diagnosemittel, um dem Schüler im Lernprozeß helfen zu können. Das System ist hauptsächlich auf rein reproduzierbares Wissen ausgerichtet und erfaßt nicht Einsicht, Selbständigkeit und andere Bildungsziele. Der Schüler muß die Beurteilung einfach über sich ergehen lassen; er kann nur akzeptieren oder aber die Schule verlassen usw."

4. Schritt:

Im vierten Schritt wird die Frage gestellt, inwiefern dies alles entweder zur Zufriedenheit verläuft oder aber veränderungsbedürftig ist.

Schritt 5:

Von welchen Grundregeln, Prinzipien oder Werten wollen wir bei der Gestaltung des Beurteilungssystems in Zukunft ausgehen? Dies ist das Gegenstück zum dritten Schritt, jedoch nun im Ausblick auf die Zukunft.

Schritt 6:

Wie sollten gemäß unseren neuen Grundauffassungen die Beziehungen, Rollen und Verantwortlichkeiten unter den Betroffenen aussehen? Wie sollten die Betroffenen miteinander umgehen?

7. Schritt:

Im siebten Schritt versucht man sich ein Bild zu machen, wie auf dieser Basis der konkrete Ablauf gestaltet werden könnte. Dabei werden verschiedene Alternativen besprochen, um Ansätze für eine Konkretisierung zu finden. Hiermit sollte das unter Schritt 5 und 6 Gesagte ein wenig getestet werden.

Ulrich Barkholz / Georg Israel / Peter Paulus / Norbert Posse: Gesundheitsförderung in der Schule. Ein Handbuch für Lehrerinnen und Lehrer. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest 1997, S. 331 ff.