Papiercomputer

Ziel:

Mit dem Papiercomputer liegt ein einfaches Hilfsmittel vor, mit dem wir die geschätzter Wirkungsintensitäten innerhalb eines komplexen Netzwerkes von Faktoren analysieren können. Die Ergebnisse dieser Analyse lassen sich sehr gut nutzen zur Entscheidungshilfe über Eingriffsmöglichkeiten und - strategien für systematische Veränderungsprozesse.

Zeit:

abhängig von der Anzahl der zu analysierenden Faktoren, der Größe der Arbeitsgruppe und dem Maß an Beteiligung der Systemmitglieder zwischen

  • 1 Stunde (ich alleine mit relativ wenigen Faktoren [<20])
  • 2- 3 Stunden (kleine Gruppe mit relativ wenigen Faktoren)
  • mehrere Wochen (komplexe Veränderung und Beteiligung der Systemmitglieder).

Material:

Papier, Stift, bei Gruppenarbeit Flip- Chart.

Durchführung:

(Die ersten beiden Schritte stammen aus einer "normalen" Situationsanalyse.)

Für die Modellierung einer Veränderung legen wir die Faktoren fest, die sich unserer Zielsetzung entsprechend in einer bestimmten Richtung verändern sollen (Zielgrößen oder Zielfaktoren). Hierbei kann es sich um einen einzigen Faktor handeln, etwa wenn in einer Schule die Fehlzeiten von Schülern verringert werden sollen, es kann aber auch ein Bündel von Faktoren sein, wenn beispielsweise das "Unterrichtsklima" verbessert werden soll (Beteiligung der SchülerInnen, Wohlfühlen, Geräuschpegel, Zufriedenheit von SchülerInnen und LehrerIn, ...)

Aus unterschiedlichen Perspektiven (z. B. Lehrer- /Schülersicht) werden alle möglichen Einflussgrößen (Einflussfaktoren) gesammelt. Damit sind die Faktoren gemeint, die in der "Problemsituation" eine Rolle spielen.

Alle Elemente der Situationsanalyse (Zielfaktoren und Einflussfaktoren) werden in einer zweidimensionalen Matrix aufgelistet, die in beiden Dimensionen jeweils alle Elemente enthält (vgl. Entfernungstabelle zwischen Städten).

Für die Wirkungsintensitäten wird ein Maßstab festgelegt. Bewährt hat sich:

0 = keine Wirkung - 1 = geringe Wirkung - 2 = starke Wirkung - 3 = sehr starke Wirkung

Die Intensität der Wirkung zwischen jeweils zwei Faktoren ("Wie groß ist der Einfluss von ..... auf .....?") wird - Zeile für Zeile - geschätzt und mit der entsprechenden Zahl in die Matrix eingetragen. Jede Zeile enthält somit die Wirkungen, die von dem "Zeilenelement" auf alle anderen Elemente ausgehen, jede Spalte das Maß der Beeinflussbarkeit.

Jeder Faktor wird mit seinen zwei Werten (Einfluss und Beeinflussbarkeit) in ein Diagramm eingetragen und in aktive Faktoren (Einfluss hoch/Beeinflussbarkeit niedrig), reaktive Faktoren (Einfluss niedrig/ Beeinflussbarkeit hoch), kritische Faktoren (Einfluss hoch/ Beeinflussbarkeit hoch) und träge Faktoren (Einfluss niedrig/Beeinflussbarkeit niedrig) unterteilt.

Der Fokus für weitere Planungen liegt auf den aktiven Faktoren: Wenn es gelingt, sie zu verändern, erzeugen wir Veränderungen im gesamten System.

Ulrich Barkholz / Georg Israel / Peter Paulus / Norbert Posse: Gesundheitsförderung in der Schule. Ein Handbuch für Lehrerinnen und Lehrer. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest 1997, S. 331 ff.