Kollegiale Fallberatung

Ziel:

Die "Kollegiale Fallberatung" stammt aus dem Material- und Medienverbund zur Suchtprophylaxe des Landesinstituts in Soest. Wir wenden ihre Struktur häufig in der schulinternen Lehrerfortbildung an, wenn es um die Installation einer kollegialen Besprechungskultur für individuelle Probleme geht. Die "Kollegiale Fallberatung" wird grundsätzlich in ihrer Einführungsphase von Mitgliedern aus dem Moderatorenteam geleitet. Die "Kollegiale Fallberatung wird in Kleingruppen ("Sympathiegruppen") durchgeführt.

Durchführung:

Ablaufraster (wird allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgehändigt):

Organisatorisches:

Wer leitet? Wer berichtet? (Es ist vor allem in der Lernphase sinnvoll, daß alle Gruppenmitglieder ihr persönliches Problem nennen, damit "ein Problem-Haben" nicht etwas Exotisches ist)

Bericht:

Der Bericht soll nicht unterbrochen werden, Nachfragen sind anschließend möglich

Blitzlicht:

Was hat der Bericht in mir ausgelöst? (Keine Kommentare, keine Bewertungen! Achtung: in ungeübten Gruppen können hier massive Bewertungen vorkommen, daher entweder sofort intervenieren oder Blitzlicht weglassen!)

Nachfragen:

Nur Informationsfragen ("Was muß ich noch wissen, damit ich mir die Situation wie in einem Film vorstellen kann?") sind zugelassen.

Keine "Inquisition", keine Unterstellungen ("Ja, haben Sie eigentlich nicht daran gedacht, ...?!")

Ich als ...:

Hier geht es darum, daß die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Verständnis des Berichtenden in der Situation mitteilen. Hierzu schlüpft jedes Gruppenmitglied in die Rolle des Protagonisten und formuliert sein Verständnis in der Form:
"Ich als ... denke, sehe, fühle mich in der beschriebenen Situation ..."
(Achtung! Sorgfältig moderieren, so daß nicht folgendes entsteht: "Ich als ... wäre gar nicht auf die Idee gekommen ..." o.ä.)

Sind an der Situation des Berichtenden mehrere Personen beteiligt (Eltern, Schüler, Kolleginnen und Kollegen, Schulleitung o.ä.), so sind weitere "Ich als ..."-Runden denkbar; z.B. "Ich als Schüler denke in der beschriebenen Situation ...". Der Berichterstatter hat nach jeder Runde die Möglichkeit zur Rückmeldung

Problemlösungen:

"Ich als ... werde ...":
In der abschließenden Runde geht es darum, daß jedes Gruppenmitglied Lösungsvorschläge machen kann, aber auch dies in der Form: "Ich als ... werden ... (tun)".

Abschlußblitzlicht:

Zum Abschluß hat der Berichterstatter als erster die Möglichkeit zu einer kurzen Bewertung ("Was hat mir das gebracht?"), alle anderen Gruppenmitglieder zu einem Abschlußblitzlicht (z.B. "Was ist für mich jetzt wichtig?")

Ulrich Barkholz / Georg Israel / Peter Paulus / Norbert Posse: Gesundheitsförderung in der Schule. Ein Handbuch für Lehrerinnen und Lehrer. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest 1997, S. 331 ff.