Unterrichtsentwicklung muss über einen systematischen Methodenbegriff verfügen

Der Schüler muss Methode haben.
Dem Lehrer aber muss die Methode,
seinen Zögling zur Methode zu führen, eigen sein.

Hugo Gaudig ( 1922 )

Für das bewusste Lehren und das aktiv selbst gesteuerte Lernen benötigen Lehrende und Lernende ein systematisch geordnetes Methodenrepertoire.

Lehrerinnen und Lehrer, die forschend in eigener Sache tätig sind und zugleich Lehr - Lern - Landschaften konstruieren müssen, in denen sich die Lernenden aktiv selbsttätig bewegen und als Voraussetzung dafür die entsprechenden methodischen Kompetenzen im Kontext und Vollzug entwickeln müssen, brauchen sowohl Methoden der Erkenntnisgewinnung wie auch solche der Informationsvermittlung.

Da sich wissenschaftliche Methoden nur in ihrem Grad der Systematisierung und Präzision von Alltagsmethoden unterscheiden, lässt sich ein Kontinuum im Bereich der Erkenntnismethoden erzeugen, was von der Metaebene von Erkenntnis - und Wissenschaftstheorie, Methodologie, Methodenreflexion und Metakognition, über Grundformen wissenschaftlichen Arbeitens (empirisch - quantitativ, empirisch - qualitativ, historisch - hermeneutisch) bis hin zu wissenschaftlichen Arbeitstechniken bzw. schulischen Lerntechniken reicht. In wissenschaftsorientierten und wissenschaftspropädeutischen Unterrichtskonzepten finden sich Elemente dieses Kontinuums auf allen Schulstufen und in allen Schulformen.

Die Methoden der schulischen Informationsvermittlung6 lassen sich mit Hilbert Meyer (1987, S. 235) zunächst in die äußerlichen, formalen Methoden (Sozialformen und Artikulation des Unterrichts) und andererseits in die inhaltlichen, inneren Methoden (Handlungsmuster) einteilen.

Für die Binnendifferenzierung der Handlungsmuster können folgende Kategorien hilfreich sein:

  • Unterrichtskonzepte (handlungs-, problem- oder wissenschaftsorientiert) verbinden didaktische Prinzipien mit ihrer methodisch - unterrichtlichen Umsetzung.
  • Unterrichtsarrangements (Makromethoden mit didaktischem Konzept, die Methoden und Techniken integrieren können), also
  • z.B. : Projekt, Planspiel, Lehrgang, Fallstudie.
  • Einzelmethoden (als selbstständige Bestandteile auf der Mikroebene), z.B. Rollenspiel, Expertenbefragung, Fallanalyse.
  • Techniken ( Kleinstmethoden ), z.B. Blitzlicht, Visualisierungstechnikenusw.

All diese Methoden sind nicht bloß instrumentelle Techniken, sondern konstituieren inhaltliche Erkenntnisse mit. Selbstständiges Lernen muss durch Methodenbewusstheit viel intensiver efördert werden, und das Lernen des Lernens muss, um nachhaltig und transferierbar wirksam werden zu können, in den fachlichen Lernkontext integriert werden. Isolierte Lerntechnikkurse stellen nur Notlösungen dar (vgl. Forum Bildung 2001a, S. 23, 43ff. ; 2001b, S. 38f., 45ff.), die zum Teil die Entfaltung eines intensiven fachlichen Methodenbewusstseins behindern und oberflächlichen Aktionismus begünstigen.

Metakognition, das Denken über das Denken, schafft Klarheit über deklarative und exekutive Prozesse des Lernens und ist somit Voraussetzung für das effektive selbstständige Lernen (vgl. Kaiser / Kaiser 1999, S. 25ff.).

Die gezielte Förderung von Metakognition geschieht ebenfalls am besten integriert im fachlichen Kontext.

«Die Wege und Mittel der Erziehung und des Unterrichts sind dementsprechend Wege des Dialogs zwischen zur Mündigkeit herausgeforderten Menschen und Mittel zur möglichst selbstbestimmten und kooperativen Aneignung der Realität» (Otto / Schulz 1985, S. 15).