Subjektive Dimension des Sicherheitsbegriffs

Sicherheit ist im Kontext von Entwicklung, Erziehung und Sozialisation und damit auch von Schule weder eine objektive Größe noch ein statischer Zustand. Zum einen ist es nur schwer möglich, für die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen ein einheitliches Maß und Niveau anzugeben. Sicherheit ist im Wesentlichen abhängig von den individuellen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Einstellungen und Kognitionen, aber auch von den situativen Umständen. So kann z.B. für einen motorisch schwächeren Schüler das Laufen über Hindernisse und die Rolle rückwärts eine Überforderung und damit ein erhöhtes Unfallrisiko darstellen, während für andere, die bewegungsgeschickter und erfahrener sind, diese Aufgaben keine Probleme darstellen. Zum anderen sind diese Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnisse und Einstellungen gerade während der Kindheit und Jugend ständig im Fluss. Sie können sich durch Lernen, Üben, Trainieren oder durch die natürliche Entwicklung verändern. Stress, zu wenig Schlaf und Angst können die psychischen Dispositionen beeinflussen. Auch die Umweltbedingungen verändern sich. Alle Veränderungen zusammen, aber auch jede für sich, können das so genannte Sicherheitsbewusstsein und das Sicherheitsgefühl und damit auch das subjektiv empfundene Risiko negativ und positiv beeinflussen.

Sicherheit muss somit als das Ergebnis eines ständigen Verarbeitungsprozesses von äußeren Anforderungen und Einflüssen einerseits und individuellen Kompetenzen und selbst bestimmten Anliegen und Bedürfnissen andererseits verstanden werden. Ziel dieses Prozesses ist es, sich nicht in sozialer, emotionaler, körperlicher und geistiger Hinsicht bedroht zu fühlen und zu sein. Dieses Begriffsverständnis beruht auch auf der Annahme, dass mehr Sicherheit letztendlich nicht ohne die Beteiligung der Betroffenen und ohne Anregung zur Eigeninitiative und Selbststärkung erreichbar ist.

Die Subjektivität des Sicherheitsbegriffes im Konzept der Sicherheitsförderung enthebt die Lehrkraft nicht aus ihrer Fürsorge- und Aufsichtspflicht sowie aus der Verantwortung für die Gesundheit der ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler. Sie zwingt sie jedoch zu einer stärkeren Differenzierung und pädagogischen Passung bei ihren präventiven Maßnahmen.