Beteiligte

Mobbing ist ein soziales Phänomen. Man kann grob von drei typischen Positionen sprechen, die für Mobbingsituationen konstitutiv sind: der Mobbende oder auch Täter, der Gemobbte oder auch das Opfer, und die Zuschauer.

Die Täter zeichnen sich durch aggressive Aktions- und Reaktionsmuster aus. Sie haben eine vergleichsweise positive Einstellung gegenüber Gewalt und Anwendung gewalttätiger Mittel. Sie haben ein starkes Bedürfnis, Macht auf andere auszuüben, andere zu kontrollieren und zu unterwerfen. Sie wissen, welche verletzenden Wirkungen ihre Handlungen haben, haben aber wenig Mitgefühl mit den Opfern. Sie haben eine relativ positive Meinung von sich selbst, sind unterschiedlich beliebt, sind in ihrer Beliebtheit zumeist jedoch nicht so niedrig eingestuft wie die Gemobbten.

Bei den Jungen ist körperliche Stärke wichtig, zumindest wirken sie körperlich stark. Meistens sind sie umgeben von einer Gruppe von zwei bis drei Freunden, die sie (scheinbar) mögen und unterstützen.

Zuschauer verstehen sich zunächst einmal als nicht Beteiligte. Häufig haben sie Angst, selbst gemobbt zu werden, falls sie etwas dagegen unternehmen oder Partei für den Gemobbten ergreifen möchten. Dadurch, dass sie unrechtes Handeln anderer tolerieren, wirkt ihr Zuschauen verstärkend für die Situation.


Die Opfer verfügen insgesamt über ein eher negatives Selbstkonzept und ein geringes Selbstwertgefühl, was sich in Zurückgezogenheit ausdrückt. Mobbingopfer verfügen häufig auch nicht über ein Repertoire an effizienten Erwiderungen auf Drangsalierungen. Sie können sich wirklich nicht wehren und es ist nicht hilfreich, etwas, was sie nicht können, zu verlangen.

In der Mobbingspirale von Thomas Gödde werden neben den direkt Beteiligten noch Lehrpersonen, Eltern und die Schulleitung betrachtet. Nachgewiesenermaßen neigen Lehrpersonen dazu, Mobbingvorfälle zu bagatellisieren und Gewaltvorkommnisse herunterzuspielen. Dies wird dadurch erleichtert, dass nicht eine Lehrperson konstant den ganzen Tag über mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern zusammen ist, sondern mehrere Lehrkräfte im 45-Minuten-Takt wechseln.

Das Muster Mobbing ist hierdurch schwer zu erkennen. Die Einstellung, soviel Verantwortung wie möglich bei den jeweiligen Schülerinnen und Schülern zu belassen, ist bei Streitereien ein gutes Prinzip. In Mobbingsituationen funktioniert dieses aber nicht und führt häufig dazu, das Opfer als „schuldig" anzusehen. Insgesamt berichten Schülerinnen und Schüler, dass die Lehrpersonen eher schwach oder gar nicht eingreifen.

Sowohl die Eltern der Opfer als auch die der Täter und Zuschauer sind meistens ahnungslos. Es ist ja ein Merkmal von Mobbingsituationen, dass hierüber geschwiegen wird. Für Eltern ist also ein direktes Eingreifen hierdurch nicht möglich.

Schulleitungen sind sehr um den Ruf ihrer Schule bemüht und befinden sich häufig in einem Zwiespalt zwischen Eingreifen im Einzelfall und generellen Präventionsmaßnahmen.
Dies führt in der Regel zu einer zurückhaltenden Behandlung des Themas Gewalt und Mobbing in der Schule.