Gesundheitsförderung und Schulklima

Kann das Schulklima durch ein Programm im Sinne der Gesundheitsfördernden Schule verbessert werden? Schon eine Betrachtung der Abbildung 1 legt den Schluss nahe, dass das Ziel für die Gesamtheit der Schulen mit Sekundarstufe I in der Stadt Bern verfehlt wurde (weiße Symbole eher nach links verschoben). Nun läuft das Programm in Bern schon seit 1992, und es könnte sein, dass die Evaluation zu spät kam, um hier noch einen Effekt zwischen den Jahren 1998 und 2002 nachzuweisen. Es ist auch denkbar, dass die Schulen durch die bereits erwähnten gesellschaftlichen Veränderungen im Untersuchungszeitraum schweren Belastungen ausgesetzt waren, die durch die Anstrengungen zur Gesundheitsförderung nicht kompensiert werden konnten. Einen Hinweis, dass diese Anstrengungen trotzdem nicht nutzlos waren, liefert eine detaillierte Analyse der Unterschiede im gesundheitsförderlichen Engagement der Schulen. Aus den Daten der Prozessevaluation wurden für jede Schule 27 Variablen definiert, welche je einen Aspekt dieses Engagements beschreiben. In einem mehrstufigen statistischen Verfahren (Faktoranalyse) wurden aus dieser Menge vier voneinander abgegrenzte und inhaltlich sinnvolle Faktoren herausdestilliert. Einer davon war signifikant mit mehreren Gesundheitsdaten verknüpft. Die Zusammensetzung aus den in der Tabelle wiedergegebenen Komponenten legte für diesen Faktor die Bezeichnung Gemeinsame gesundheitsfördernde Strategie nahe.

Tabelle: Komponenten des Faktors Gemeinsame gesundheitsfördernde Strategie

Für jede Schule wurde der Wert dieses Faktors berechnet und mit Schulklima und Gesundheitsindikatoren in Beziehung gesetzt. Abbildung 2 zeigt den Zusammenhang mit dem Schulklima. Je stärker sich Schulleitung, Gesundheitsteams und LehrerInnenkollegium für die Gesundheitsförderung einsetzten, umso besser war das Schulklima aus der Sicht der Sechstklässlerinnen und Sechstklässler. Der Zusammenhang ist statistisch signifikant auf dem 5 %-Niveau.

Eine ähnliche Verknüpfung wurde mit dem Schulklima aus der Sicht der Lehrerschaft gefunden, aber mit den Daten der Sekundarstufe I konnte kein Einfluss des gesundheitsförderlichen Engagements auf das Schulklima nachgewiesen werden. Eine Detailanalyse der Ergebnisse in den einzelnen Schulen legte den Verdacht nahe, dass sich hier möglicherweise allgemeine Führungsprobleme bemerkbar machten.

Abbildung 2: Zusammenhang zwischen gesundheitsförderndem Engagement und Schulklima