Bedeutung äußerer Faktoren für die Gesundheit der Jugendlichen

Die Zeitspanne rund um die Jahrtausendwende, in der die Evaluation des Berner Programms stattfand, war gekennzeichnet durch eine Reihe beängstigender Ereignisse und Tendenzen (Naturkatastrophen, Terroranschläge, Kriege, Börsencrash, einschneidende Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand, steigende Jugendarbeitslosigkeit etc.). Gleichzeitig hat sich in den westlichen Ländern eine eigentliche „Spaß- und Wohlfühlgesellschaft" entwickelt, in der „fun" und körperliche Attraktivität und die Überzeugung, dass persönliches Glück käuflich sei, in der Werteskala weit oben stehen. Die weltweite Übergewichts-Epidemie bildet dazu einen bizarren Kontrast. Weil Jugendliche wie empfindliche Seismografen auf den herrschenden „Zeitgeist" reagieren, war anzunehmen, dass alle diese Entwicklungen nicht spurlos an ihnen vorüber gegangen sind. Es drängte sich deshalb auf zu untersuchen, inwiefern sich die Antworten der im Jahr 2002 befragten Jugendlichen von denen ihrer Vorgänger im Jahr 1998 unterschieden. Für die Beurteilung der Konsumgewohnheiten standen außerdem Daten einer identischen Befragung im Jahr 1995 zur Verfügung. Der Konsum Rausch erzeugender Substanzen (Alkohol und Cannabis) nahm im fraglichen Zeitraum bei Knaben und Mädchen um das 2 ½-fache zu, während der Tabakkonsum auf hohem Niveau konstant blieb. Eine leichte Zunahme wurde in Bezug auf normbrechende Verhaltensweisen festgestellt.

Die anderen Gesundheitsindikatoren zeigten aber keine eindeutige Tendenz nach oben oder unten. Entgegen den Erwartungen nahm der Anteil Jugendlicher, die über viel Stress im Leben klagten, zwischen 1998 und 2002 deutlich ab, und auch beim Schulstress war keine Zunahme zu erkennen. Die psychosozialen Schutzfaktoren blieben bei den Sechstklässlerinnen und Sechstklässlern konstant, während bei den Schülerinnen und Schülern der 8. Klasse eine leichte Abnahme zur Kenntnis genommen werden musste. Wie noch gezeigt werden wird, steht diese Abnahme mit aller Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit bestimmten Veränderungen in der Schullandschaft.