1.1 Förderung von Lebenskompetenzen

Die Förderung von Lebenskompetenzen gehört zu den Kernbestandteilen eines modernen Gesundheitsförderungskonzeptes. Ihre Bestandteile finden sich in den Programmen der Suchtprävention genauso wie in anderen präventiven Aufgaben der Schule wie z.B. Gewaltprävention, Prävention sexuellen Missbrauchs, Aidsprävention etc. Sie entsprechen außerdem dem in der nordrhein-westfälischen Schulverfassung und den Richtlinien aller Schulformen beschriebenem Erziehungsauftrag jeder Schule und sind von daher eindeutig Auftrag aller Lehrerinnen und Lehrer, die in ihrem Unterricht entsprechend handeln sollen. Schließlich kann nur ein „erziehender" Unterrichtsstil, um den sich alle Lehrerinnen und Lehrer einer Schule bemühen, Garant dafür sein, dass die schulischen Möglichkeiten zur ganzheitlichen Förderung der Schülerinnen und Schüler genutzt werden. Die Förderung von Kommunikationsfähigkeit, Konflikt- und Problemlösekompetenzen, Ich- Stärke usw. kann nicht gelingen, wenn dies die Aufgabe weniger Lehrerinnen und Lehrer in speziell dafür vorgesehenen (z. B. suchtpräventiv intendierten) Unterrichtsstunden oder Projekten bleibt.

Um möglichst allen Lehrerinnen und Lehrern den suchtpräventiv wirksamen Erziehungsauftrag zu verdeutlichen und zur entsprechenden Umsetzung in Unterrichtsstunden, Unterrichtsreihen und Projekten Praxisvorschläge zu unterbreiten, hatten die alten Materialien zur Sucht- und Drogenvorbeugung in NRW der Förderung von allgemeinen Lebenskompetenzen einen großen Raum gegeben. Zwischenzeitlich sind in den 90er Jahren zahlreich weitere Materialien erschienen, die den Lehrerinnen und Lehrern eine Fülle von Anregungen zur praktischen Umsetzung in dem Schulalltag geben. Zu diesen auf allgemeine Lebenskompetenzförderung und damit auf die schulische Gesundheitsförderung zielenden Materialien gehören Veröffentlichungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Krankenkassen und viele andere, die mittlerweile von Lehrerinnen und Lehrern im Schulalltag eingesetzt werden. Für den Gesamtbereich der schulischen Gesundheitsförderung liegt seit 1998 eine vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung herausgegebene Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer vor, die Wege aufzeigt, die schulische Gesundheitsförderung im Rahmen des Schulprogramms für Schülerinnen und Schüler und für Lehrerinnen und Lehrer wirksam werden zu lassen (vgl. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hrsg.). 1998).

Anders als Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre liegen damit für alle interessierten Lehrerinnen und Lehrer für den Bereich der Lebenskompetenzförderung im Rahmen von Gesundheitsförderung genügend Materialien vor. Ein kritischer Blick auf den Schulalltag zeigt zwar weiterhin einen Mangel an entsprechender Aufnahme und Berücksichtigung im Unterricht, aber keinen Mangel an entsprechenden Anregungen. Unzureichend ist allerdings das Angebot an solchen Materialien, die themen- und inhaltsspezifisch die schulische Suchtprävention so beschreiben, dass sie im Vergleich mit anderen präventiven Aufgaben und innerhalb der Gesundheitsförderung als eigenständiger Ansatz deutlich wird.

Bei der Bestimmung der spezifischen Aufgaben der schulischen Suchtprävention kann es nicht um eine erneuerte Ideologie der Abschreckung gehen - die unbedingt in die Irre führen muss - und eine ausschließlich auf kognitive Wissensvermittlung angelegte Suchtprävention vergangener Jahre; stattdessen muss es um eine entmystifizierende und versachlichende Darstellung von Ursachen der Sucht, Suchtformen und Suchtmitteln, deren Risikopotenzial und Funktionsweisen und darauf bezogener Präventionsformen gehen. Die Orientierung an der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen bleibt für einen schulischen Präventionsansatz handlungsleitend. In den neuen Materialien wird weiter vom so genannten erweiterten Suchtbegriff ausgegangen, der stoffliche und nichtstoffliche (Ess-, Mager-, Spielsucht) Aspekte mit einbezieht.