I. Phase:
Orientierung und Mobilisierung - Probleme und Impulse

Die kurz beschriebenen Rahmenbedingungen bieten für den Schulsport, aber auch für das Spielen und Bewegen in den Pausen auf dem Schulgelände durchaus förderliche Bedingungen. Eine engagierte Sportfachschaft hatte dem Sportunterricht und dem außerunterrichtlichen Schulsport, angeregt durch Lehrerfortbildungsveranstaltungen, durch Angebote und Übungen zu einer psychomotorischen Entwicklungsförderung neue Impulse gegeben.

Das Handlungsprogramm "Gesundheitserziehung in der Schule durch Sport" verhalf dem Sportunterricht zu einer deutlich gesundheitserzieherischen Ausrichtung im Sinne eines ganzheitlichen Gesundheitsverständnisses. Auch der Sportförderunterricht entwickelte sich unter der Zielperspektive Entwicklungsförderung durch Bewegung weg von einem auf den Ausgleich von motorischen Defiziten ausgerichteten Konzept zu einem Angebot ganzheitlicher Entwicklungsförderung.

Gerade weil einige Sportlehrkräfte mit diesen innovativen Konzepten in Berührung kamen und mit ihnen positive unterrichtspraktische Erfahrungen sammelten, wurde ihre Aufmerksamkeit auch zunehmend für weiter gehende Fragen geschärft:

  • Welche Bewegungsmöglichkeiten haben die Schülerinnen und Schüler eigentlich in Unterricht und Schulleben außerhalb der festgelegten drei Wochenstunden Sportunterricht und einiger Arbeitsgemeinschaften im außerunterrichtlichen Schulsport?
  • Können Pausenkonflikte durch eine bewegungsfreundlichere Gestaltung des Schulhofes und entsprechender Spiel und Bewegungsangebote reduziert werden?
  • Welche Rolle spielen Körperwahrnehmung und Bewegung für schulisches Lernen und für die Entwicklung der Persönlichkeit generell?
  • Ist Gesundheitserziehung nicht über einzelne Fächer herausgehend eine grundlegende Aufgabe schulischen Lebens und Lernens?

Vor dem Hintergrund solcher grundlegender Fragen wurde von einigen Sportlehrkräften eine Lehrerkonferenz vorbereitet, in der das Thema "Mehr Bewegung im Schulalltag?" für alle Lehrkräfte der Schule zum Thema gemacht wurde. In den Gesprächen stellte sich heraus, dass nicht nur von den vermeintlichen Bewegungsfachleuten (Sportlehrkräfte) Bewegungspausen als rhythmisierendes Element von Unterricht eingesetzt und die bereits vorhandenen Sitzbälle in verschiedenen Klassenräumen als Möglichkeit "dynamischen Sitzens" geschätzt wurden.

Aus den Beratungen der Konferenz ergaben sich folgende zentrale Fragestellungen / Denkrichtungen, an denen sich dann die weiteren Vorgehensweisen orientierten:

  • Kann ein vorhandener Großgruppenraum als Bewegungs- und Ruheraum genutzt werden und welche Umgestaltungen müssen dort vorgenommen werden?
  • Welche weiter gehenden Möglichkeiten einer bewegungsfreundlichen Schulhofgestaltung gibt es?
  • Kann die Unterstufe mittelfristig ein Konzept für eine "Bewegungsfreudige Stufe" erarbeiten und umsetzen?

Können weitere Arbeitsgemeinschaften (z.B. Zirkus-AG) das Bewegungsangebot unserer Schule attraktiver machen?

Heinrich Kannengießer und Karl-Heinz Nienhoff in: Ulrich Barkholz u.a.: Gesundheitsförderung in der Schule. Ein Handbuch für Lehrerinnen und Lehrer. Soest 1998.