Veränderungen erfolgreich gestalten

Jede Veränderung, die über den Neuanstrich der Lehrertoilette hinausgeht, produziert Anfragen an die Professionalität der Kolleginnen und Kollegen: Wie halten sie es mit ihrer eigenen Vision von Schule, ihrem pädagogischen Leitbild, ihrem pädagogischen Ethos (und Eros), und welche Formen des kritischen Nachfragens sowohl in Bezug auf ihre eigene Position als auch auf die Grundhaltungen ihrer Kolleginnen und Kollegen haben sie entwickelt? Wie steht es um ihre Bereitschaft, sich permanent auf dem Laufenden zu halten, die eigene Professionalität sowohl in Bezug auf ihr Fach als auch auf ihre Vermittlungskompetenz zu stärken und auszubauen? Und schließlich: Wie weit ist ihre Bereitschaft und sind ihre Fähigkeiten ausgeprägt, im Team zu kooperieren? Diese vier Merkmale der Professionalität, die Michael Fullan 1 den Lehrerinnen und Lehrern in ihren Beichtspiegel geschrieben hat, sind für Veränderungen erfolgskritisch. Sie umfassen weitgehend die Lehrerpersönlichkeit: ihren pädagogischen Enthusiasmus, ihre Reflexionsfähigkeit, ihre didaktisch - methodische Professionalität und ihre Kooperationsfähigkeit.

Wenn Sie mit uns gemeinsam Schule in Richtung auf eine gute, gesunde Schule hin ändern wollen, so werden Sie es zwangsläufig früher oder später mit diesen Dimensionen des Lehrerseins zu tun bekommen. Und Sie werden erleben, dass geplante und gewollte Veränderungen nur dann eintreten, wenn die Kolleginnen und Kollegen auf die folgenden Fragen befriedigende Antworten erhalten:

Kann ich das verstehen und verarbeiten, was von mir verlangt wird oder was mit mir geschieht?

(Kognitive Verarbeitungsmuster) Die Veränderungen und neuen Anforderungen, mit denen die Lehrkraft konfrontiert wird, werden von ihr als sinnvolle, klare und geordnete Information verstanden (Gefühl von Verstehbarkeit - sense of comprehensibility).

Kann ich mit meinen Ressourcen und Kompetenzen die Anforderungen handhaben, bewältigen?

(Kognitiv - emotionales Verarbeitungsmuster) Die Lehrkraft nimmt die Anforderungen, die auf sie zukommen, mit den ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen als bewältigbar wahr (Gefühl von Handhabbarkeit bzw. Bewältigbarkeit - sense of manageability).

Kann ich einen Sinn in meinem Tun erkennen, habe ich eine positive Erwartung in Bezug auf die Veränderung meines professionellen Tuns?

(Motivationale Komponente) Die Lehrkraft erlebt die Probleme und Anforderungen, die mit den geplanten Veränderungen verbunden sind, als sinnvoll und findet es lohnenswert, sich dafür einzusetzen ( Gefühl von Sinnhaftigkeit bzw. Bedeutsamkeit - sense of meaningfulness ). 2 Da genau diese Antworten in der Schule nicht selbstverständlich sind, ist hier auch eine Entwicklung und Veränderung auf Lehrerseite notwendig.

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1 M. Fullan, Die Schule als lernendes Unternehmen : Konzepte für eine neue Kultur in der Pädagogik ( Stuttgart 1999 ). Bezeichnenderweise heißt dieses Buch im Original Change forces.

2 Diese drei Fragen entsprechen den drei Komponenten des Kohärenzsinns nach Antonovsky ( 1997 ).