In längerfristig angelegten schulinternen Weiterbildungen, Beratung, Handlungstrainings und Evaluation verknüpfen

Eine Schulentwicklung, die Bildung und Erziehung in den Blick nimmt und sich an der Effektivität des Unterrichts messen lässt, ist somit eng mit der Professionalisierung der Lehrerinnen und Lehrer verknüpft. Das hat vielfältige Gründe:

  • Schulen hatten bis vor einigen Jahren ein Defizit in den Kooperations- und Führungsstrukturen (und manche Schulen haben diese Defizite heute noch): Organisationsberatungen und Teamentwicklungen haben Schulen darin unterstützt, dieses Defizit zu beheben. Es wurden gemeinsame Zielvorstellungen formuliert, verbindliche Strukturen für die Teamarbeit entwickelt, Mitwirkungsgremien geschaffen, Schulleitungen neu eingerichtet (wie in vielen Schweizer Schulen) oder durch Steuergruppen unterstützt.
  • Trotz dieser wichtigen Schulentwicklungsaktivitäten ist Unterricht häufig mehr oder weniger «Privatgeschäft» der einzelnen Lehrpersonen geblieben. «Lehren und Lernen» als Kerngeschäft der Schule ist bisher wenig geprägt durch bewusste Setzungen und pädagogische Vereinbarungen der Schule als Ganzes. Unterricht bleibt das Geschäft der «Einzelkünstler».3 Zum Beispiel zeigt die Evaluation des Luzerner Projekts «Schulen mit Profil», dass die Einführung geleiteter und kooperativer Schulen neben vielen Positivpunkten bisher «wenig Einfluss auf das Unterrichten und Erziehen der Lehrpersonen hat».4
  • Mit der Einführung von Bildungsstandards als Referenzgrößen für die individuelle und schulische Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung kommen nun aber erhebliche Zumutungen auf die Lehrpersonen zu:
  • eine ungewohnte ergebnisorientierte Rechenschaftsverpflichtung,
  • eine Entprivatisierung pädagogisch - didaktischer Alltagspraktiken,
  • erhöhte Beanspruchung und mehr Arbeit ( ? ! ) durch die Übernahme von Mitverantwortung für die pädagogische Qualität der gesamten Schule.

Wenn diese neuen Herausforderungen produktiv ( und das bedeutet in unserem Verständnis auch immer : gesundheitsverträglich und -stärkend ) bewältigt werden sollen, dann benötigen Schulen auch neue Ansätze der Schulentwicklung und Schulentwicklungsberatung:

 

Abbildung 1 : Integrierende Schulentwicklung5

Das herausragende Merkmal einer solchen Schulentwicklung besteht darin, dass hier schulinterne Weiterbildungen, Beratung, Handlungstrainings und Evaluation integrativ miteinander verknüpft werden.    Da für die Schule Unterricht das zentrale Moment ist, fokussiert die Schulentwicklung das kooperative Lehren und Lernen.    Trainings, die Lehrpersonen die Möglichkeit geben, das eigene methodische Handlungsrepertoire zu erweitern und Sicherheit durch die Erprobung von Verhaltensweisen zu gewinnen, ergeben die Möglichkeit, das eigene Lehrerhandeln zu professionalisieren.    Unterrichtsentwicklung, Unterrichtsvorbereitung und -nachbereitung (inkl. Auswertung von Schülerfeedbacks) werden konsequent miteinander verknüpft.    Alle Entwicklungsmaßnahmen werden systematisch in ihren Effekten beobachtet, wobei die Ergebnisse dieser Selbstevaluationen kontinuierlich in den Entwicklungsprozess zurückfließen.    Die Schulentwicklung wird unterstützt durch eine spezifische «beratende »Grundhaltung der Protagonisten.

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3 Durch diesen Begriff ersetzt Michael Schratz den «Einzelkämpfer». Inhaltlich siehe auch Bonsen ( 2004 ).

4 A. Buholzer / M. Roos, Ergebnisse der Begleitevaluation, in : X. Büeler / A. Buholzer, M. Roos ( Hrsg. ), Schulen mit Profi l. Forschungsergebnisse. Brennpunkte. Zukunftsperspektiven ( Innsbruck 2005 ), S. 87.

5 Adaptiert nach S. G. Huber, School Improvement. Wie kann Schule verbessert werden ? B. Ender / A. Strittmatter, Welche Kompetenzen sind bei uns gut besetzt ? Diagnoseinstrument für ein Team - Portfolio, in : journal für schulentwicklung. Heft 3 / 2006, S. 53 - 56.