Die IQES - Elemente einer guten, gesunden Schule / Gesundheitsfördernden Schule im Überblick

Im Folgenden geben wir eine Kurzübersicht über die zehn IQES-Elemente, die ausführlich im IQES - Handbuch12 beschrieben werden.

Element 1: Unterrichtsentwicklung in Qualitätsgruppen und Unterrichtsteams

Qualitätsgruppen ( Q - Gruppen ) sind kollegiale Lerngemeinschaften, die durch Eigeninitiative die Qualität der eigenen Arbeit verbessern und Feedback als Mittel des persönlichen Lernens nutzen wollen. Erstrangiges Ziel von Q-Gruppen ist es, das Lernen von Schülerinnen und Schülern besser zu verstehen und sich mit dem eigenen Unterricht kritisch - konstruktiv auseinanderzusetzen. Q-Gruppen realisieren ein eigenes Q - Projekt, das primär auf die Gestaltung des Unterrichts und die Förderung der Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet ist. Ihre Ziele orientieren sich am Qualitätsleitbild und an den Zielsetzungen des Schulprogramms. Während Q-Gruppen Projektgruppen sind, die sich für einen befristeten Zeitraum von ein bis zwei Jahren zusammenfinden, um gemeinsame Ziele zu realisieren, sind «Unterrichtsteams» auf Dauer angelegt : Es sind fest institutionalisierte Arbeits- und Lerngemeinschaften, deren Mitglieder den Unterricht gemeinsam vorbereiten, auswerten und reflektieren.

Element 2 : Kooperatives Lernen in Lehrer - und Schülertrainings

Ziel des kooperativen Lernens ist die Erweiterung und Vertiefung der Methodenkompetenz von Lehrerinnen und Lehrern und von Schülerinnen und Schülern. Die Lehrpersonen lernen handlungs- und transferorientiert. In periodischen schulinternen Weiterbildungen lernen sie Methoden und Instrumente kennen, die sie dann in der Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern im Unterricht einsetzen und erproben. Es handelt sich einerseits um Lehr- , Lern- , Kommunikations- , Kooperations- und Konfliktlösemethoden, andererseits um Beurteilungs- und Evaluationsinstrumente (für eine ganzheitliche Beurteilung von Schülerkompetenzen sowie für Schüler - und Kollegialfeedbacks zum Unterricht).

Das kooperative Lernen in Lehrer - und Schülertrainings ist das Herzstück der integrierten Qualitäts - und Gesundheitsförderung. Es verbindet alle anderen Elemente : In dem Maße, wie Lehrpersonen erfahren, wie nutzbringend die verstärkte Zusammenarbeit für den eigenen Unterricht ist, wird auch Entlastung und gemeinsamer Erfolg spürbar : Die Teamentwicklung wird gefördert, das Schulklima verbessert sich, die Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler nehmen zu. Durch eine konsequente Verzahnung von Methodentrainings, gemeinsamer Unterrichtsvorbereitung und -auswertung sowie durch den gezielten Einsatz von Feedback - und Evaluationsmethoden kann eine nachhaltige und gesundheitsbewusste Unterrichtsentwicklung betrieben werden.

Element 3: Schülerkompetenzen ganzheitlich fördern und beurteilen

Wichtigster Bezugspunkt für ein unterrichtszentriertes Qualitätsmanagement sind die Lernprozesse und Lernergebnisse der Schülerinnen und Schüler. Eine Schule, die an einem nachhaltigen Lernen ihrer Schülerinnen und Schüler interessiert ist, wird deshalb in ihrem Schulprogramm Schwerpunkte setzen, die eine systematische Förderung und Beurteilung der Kompetenzen von Lernenden zum zentralen Bezugspunkt der Qualitätsentwicklung machen. Ausgehend von einem erweiterten Leistungsbegriff, werden Fachkompetenzen und überfachliche Kompetenzen gefördert. Dem systematischen Aufbau von Lernkompetenzen aufseiten der Lernenden kommt dabei ein zentraler Stellenwert zu: Je mehr Schülerinnen und Schüler über Kompetenzen verfügen, um das eigene Lernen zu steuern, desto mehr wird ein eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten möglich.

Element 4 : Gutes Schulklima - eine Kultur der Anerkennung und Kooperation

Ein gutes Schulklima ist das Fundament einer guten, gesunden Schule/ Gesundheitsfördernden Schule. Wichtige Strategien zur Förderung eines guten Schulklimas sind: ein dichtes und tragfähiges Beziehungsnetz zwischen Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern und nicht pädagogischem Personal aufbauen, partizipativ Regeln für das Zusammenleben erarbeiten und umsetzen, gemeinsam Feste feiern, mutig und entschlossen diskriminierenden Verhaltensweisen entgegentreten. Gute Schulen pflegen im Alltag eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung und des Respekts, in der die Menschen sich selbst und andere achten. Sie begegnen der Heterogenität in der Schülerschaft mit einer Pädagogik der Vielfalt.

Element 5: Wirksame Schulleitung

Qualitäts- und Gesundheitsförderung ist eine Aufgabe der Schulleitung, wie es auch eine Gemeinschafts - und eine individuelle Aufgabe der Lehrpersonen ist. Die Schulleitung sorgt dafür, dass die zehn Elemente der Qualitäts- und Gesundheitsförderung maßvoll und zielorientiert aufgebaut werden. Ihr Führungshandeln ist auf einige wenige, aber zentrale Schlüsselaufgaben einer wirksamen qualitäts- und gesundheitsfördernden Schulführung ausgerichtet:

  • für Ziele sorgen,
  • organisieren,
  • entscheiden,
  • Qualität beurteilen und fördern,
  • die Selbstentwicklung von Menschen fördern und unterstützen.

Element 6 : Ressourcenorientierte Personalentwicklung

Prozesse zu initiieren, in denen Lehrpersonen genauso wie Schülerinnen und Schüler wichtige fachliche und überfachliche Kompetenzen erwerben können, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Schulleitung. Indem die Schulleitung dafür sorgt, dass Lehrpersonen Weiterbildungen besuchen können, die sie für eine erfolgreiche Bewältigung eines anspruchsvoller gewordenen Berufsalltags qualifizieren, trägt sie dazu bei, dass Lehrpersonen im Lehrberuf gesund bleiben.

Die Schulleitung fördert einen schrittweisen Aufbau von Unterrichtsteams in der eigenen Schule. Sie sieht die Bildung von kooperativen Lern- und Arbeitsgemeinschaften als einen wirkungsvollen Ansatz zur Personalentwicklung und als starke Strategie zur Verbesserung von Schule und Unterricht.

Zusammen mit dem Kollegium und in Einzelgesprächen begibt sich die Schulleitung auf «Schatzsuche» - auf die Suche nach besonderen Kompetenzen und Begabungen, Interessen und Verbindungen, über die Kolleginnen und Kollegen in der Schule verfügen. Sie nutzt diese Ressourcen, indem sie deren Vernetzung im Hinblick auf die Teambildung unterstützt.

Element 7 : Qualitätsleitbild

Im Qualitätsleitbild legt die Schule die Qualitäten ( Werte, Haltungen, Standards) fest, nach denen sie ihre Qualitätsentwicklung und ihre Evaluationsaktivitäten ausrichten will. Sie beschreibt darin konkrete und überprüfbare Qualitätsansprüche ( Soll - Aussagen ), mit denen sie ihre reale Praxis (Ist-Zustand ) vergleichen möchte (Ist - Soll - Vergleich), um auf dieser Grundlage Entwicklungsmaßnahmen zu ergreifen. Das Qualitätsleitbild ist eine wichtige Grundlage für das schulinterne Qualitätsmanagement. Die vereinbarten Qualitätsansprüche und Entwicklungsziele bilden das Fundament für die verschiedenen Qualitätsaktivitäten. Lehrpersonen und Schulleitung schaffen sich so einen gemeinsamen Zielhorizont, der Orientierung und Verbindlichkeit gibt und eine Kräfte sparende Bündelung der Aktivitäten möglich macht.

Im zweiten Band des IQES - Handbuchs finden Schulen zu einer großen Bandbreite möglicher Entwicklungsschwerpunkte ausgewählte Qualitätskriterien, die schulintern diskutiert und als Bausteine für das eigene Qualitätsleitbild verwendet werden können.

Element 8 : Qualitätskonzept

Die Schule sorgt für ein gemeinsames Verständnis der Ziele des eigenen Qualitätsmanagements und legt im schuleigenen Qualitätskonzept geeignete Regelungen und Vereinbarungen fest. Ein periodisch aktualisiertes Qualitätshandbuch gewährleistet, dass wichtige Ergebnisse dokumentiert werden und Verfahren und Instrumente für alle verfügbar und zugänglich sind.

Element 9 : Feedback und Selbstbeurteilung

Lehrerinnen und Lehrer refl ektieren regelmäßig ihre pädagogische Arbeit. Sie holen dafür Feedbacks von Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen sowie Eltern ein. Die Rückmeldungen helfen, sich Stärken und Schwächen des eigenen Handelns bewusst zu machen und die pädagogische Praxis zu optimieren. Im 360 - Grad - Feedback werden neben Fragen der Unterrichtsgestaltung (Prozessqualität), des Wohlbefindens und des Selbstvertrauens der Schülerinnen und Schüler (Gesundheitsqualität) auch die Lernergebnisse ausgewertet und reflektiert. Ziel ist der schrittweise und längerfristige Aufbau einer schulinternen Feedback - und Evaluationskultur, in der Lehrpersonen in Q - Gruppen und Unterrichtsteams die Wirkungen ihres Unterrichts besser zu verstehen suchen, indem sie Feedbacks von Schülerinnen und Schülern wie auch von Kolleginnen und Kollegen nutzen.

Element 10 : Interne und externe Evaluation und Qualitätsentwicklung der Schule

Die Schule selbst evaluiert periodisch die Qualität des Unterrichtes und des Schullebens. Sie überprüft die Qualität anhand der eigenen (im Qualitätsleitbild verankerten) Ansprüche und anhand anerkannter schulübergreifender Qualitätsstandards (wie sie auch mit dem Q - Tableau des IQES - Handbuchs [ Bd. 1, S. 30; siehe auch S. 33 der vorliegenden Publikation ] beschrieben werden). Jährliche Standortbestimmungen gewährleisten, dass die Evaluation der eigenen Arbeit und von deren Wirkungen (auf Lernende und Lehrpersonen) einfließen können in die Planung der Aktivitäten des folgenden Schuljahres. Die externe Schulevaluation vermittelt der Schule eine Außensicht, die unerlässliche Impulse für die Schul - und Unterrichtsentwicklung gibt und die Schule bei der Rechenschaftslegung unterstützt.