Zur Navigation springenZum Inhalt springen

Landesprogramm Bildung und Gesundheit

Grundlagentext

Schulklima und Gesundheit

Prof. em. Dr. Jean-Claude Vuille
Gesundheitsdienst der Stadt Bern, Schweiz
Kongress Gute und gesunde Schule, 15 + 16. November 2004 in Dortmund

Die wenig überzeugenden Resultate der traditionellen Gesundheitserziehung sowie neue Erkenntnisse über das Zusammenwirken externer und interner Faktoren bei der Entwicklung eines gesunden Organismus haben den so genannten „Setting-Ansatz" der modernen Gesundheitsförderung in den Vordergrund treten lassen.

Für Kinder im Schulalter stellt die Schule nach der Familie das zweitwichtigste „Setting" dar. Hier verbringen die jungen Menschen mindestens 15.000 Stunden ihres Lebens in einer Gemeinschaft mit Gleichaltrigen und Erwachsenen, sie sind während dieser Zeit vielfältigen positiven und negativen Einflüssen ausgesetzt und lernen jeder auf seine Art, sich mit diesen Einflüssen auseinander zu setzen. Es liegt auf der Hand, dass die Atmosphäre, die in dieser Gemeinschaft herrscht, für die Gesundheit der Heranwachsenden von großer Bedeutung ist. Während zahlreiche Studien den Einfluss dieser unspezifischen Faktoren auf die Schulleistungen belegen (z. B. Rutter u. a. 1979), gibt es nur wenige einschlägige Untersuchungen mit Blickwinkel auf gesundheitliche Aspekte.

Das Gesundheitsförderungsprogramm „Netzwerk Gesundheitsteams Stadtberner Schulen", das seit 1992 kontinuierlich auf- und ausgebaut wurde, will dem Thema Gesundheit in den Volksschulen der Stadt Bern einen höheren Stellenwert verschaffen und einen Beitrag zu einem guten Schulklima leisten. Die Stadt stellt den teilnehmenden Schulen (bisher 18 von 20 Volksschulen) Mittel für eine bis zwei Entlastungslektionen für eine(n) KGF (Koordinator(in) für Gesundheitsförderung), für Aus- und Weiterbildung und persönliche Beratung dieser Schlüsselpersonen sowie kleinere Projektbeiträge zur Verfügung. Jede / r KGF bildet in ihrer / seiner Schule ein Gesundheitsteam mit Vertretungen der Lehrerschaft und der Schülerschaft, der Eltern, der Schulbehörden, von Quartierorganisationen und Fachstellen. Dieses Team erarbeitet nach einer möglichst systematischen Analyse der gesundheitlichen Situation in der eigenen Schule einen nachhaltigen Handlungsplan zuhanden der Schulleitung und des LehrerInnenkollegiums und ist verantwortlich für die Koordination und Durchführung von konkreten gesundheitsfördernden Maßnahmen.

Das ganze Programm wurde im Zeitraum 1997 bis 2002 einer wissenschaftlichen Evaluation unterzogen. Daten für die Prozessevaluation wurden durch persönliche Interviews mit allen KGF und allen Schulleitungen in den Jahren 1997, 1999 und 2001 und mit einschlägigen Fragen im Lehrerfragebogen erhoben. Für die Wirkungsevaluation wurden in den Jahren 1998 und 2002 Fragebogen für die Lehrkräfte und alle Schülerinnen und Schüler der 6. und 8. Klassen (12 ½ bzw. 14 ½ Jahre) eingesetzt. Die Resultate der Evaluation sind im Frühjahr 2004 in Buchform erschienen (Vuille u. a. 2004:263).