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Landesprogramm Bildung und Gesundheit

Konzeptionelle Grundlagen

II. Konzeptionelle Grundlagen und Prinzipien der zweiten Phase (1.8. 2013 bis 31.7. 2018)


Die konzeptionelle Ausrichtung des Landesprograms „Bildung und Gesundheit“ basiert in der zweiten Phase zum einen auf dem Ansatz der integrierten Gesundheits- und Qualitätsentwicklung mit dem Leitmotiv  „Gute gesunde Schule“, zum anderen auf den Evaluationsergebnissen der ersten Phase (s. S. ).
 
Der Ansatz der integrierten Gesundheits- und Qualitätsentwicklung mit dem Leitmotiv „Gute gesunde Schule“ bildet wie auch in der ersten Phase die theoretische Grundlage des Landesprogramms und beschreibt seine grundsätzliche Ausrichtung. Er beruht auf der Grundannahme, dass zwischen Gesundheitsförderung und Prävention auf der einen Seite und schulischer Qualitätsentwicklung auf der anderen Seite ein intensiver wechselseitiger Zusammenhang besteht. Prävention und Gesundheitsförderung tragen dazu bei, Sicherheit und Gesundheit in den Schulen zu fördern, zu sichern und wiederherzustellen. Sie erzeugen gleichermaßen positive Wirkungen auf die Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrags von Schulen.

Damit sind Prävention und Gesundheitsförderung keine zusätzlichen Aufgaben, sondern pädagogische Aufgaben der Schule und integrale Bestandteile von Schulentwicklung[1].

Eine gute gesunde Schule[2] ist demzufolge eine Schule, die Unterricht und Erziehung, Lehren und Lernen, Führung und Management sowie Schulkultur und Schulklima durch geeignete Maßnahmen gesundheitsförderlich gestaltet und so die Bildungsqualität insgesamt verbessert. Gleichzeitig verwirklicht sie die spezifischen Gesundheitsbildungsziele, die zu ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag gehören. Darüber hinaus nutzt die Schule auch das präventive und gesundheitsförderliche Potential originär pädagogischer Maßnahmen (z. B. der individuellen Förderung und der Inklusion) für die Erhöhung der Gesundheitsqualität der schulischen Akteure und des Systems Schule als Ganzes.

Das Landesprogramm orientiert sich bei der konkreten Ausgestaltung seiner Maßnahmen und Aktivitäten an dem Referenzrahmen „Gute gesunde Schule“[3]. Dabei werden sicherheits- und gesundheitsbezogene Ansätze (s. IQES-Qualitätstableau mit acht Qualitätsdimensionen und vierzig Qualitätsbereichen) wirksam, die wiederum einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Schutzfaktoren und Belastbarkeit haben und damit auch auf die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler und der Lehrkräfte.

Bei der Umsetzung der integrierten Gesundheits- und Qualitätsentwicklung in Schulen sind in der 1. Phase befolgte und bewährte Prinzipien für das Landesprogramm weiterhin leitend.

1. Mehrdimensionaler und subjektiver Gesundheitsbegriff

Gesundheit wird mehrdimensional als physisches, psychisches, soziales und ökologisches, sich wechselseitig beeinflussendes Wohlbefinden verstanden. Damit werden das subjektive Befinden sowie das gesundheitsbezogene Verantwortungsbewusstsein der Beteiligten ins Zentrum gestellt. Partizipative Strategien sind nachweislich am besten geeignet, eine integrierte Gesundheits- und Qualitätsentwicklung nachhaltig umzusetzen.

2. Gesundheit als aktive Auseinandersetzung mit inneren und äußeren Anforderungen

Gesundheit lässt sich nur in der Interaktion der beteiligten Personen mit ihren psychosozialen, soziokulturellen, gesellschaftlichen, ökonomischen, ökologischen und physisch-technischen Umwelten unter Beachtung verhaltens- wie verhältnisorientierter Grundsätze entwickeln.

3. Kooperation

Eine integrierte Gesundheits- und Qualitätsentwicklung in Schulen setzt auf Kooperation und Vernetzung innerhalb der Einrichtung, mit anderen Einrichtungen und mit weiteren Partnern. Das Zusammenwirken soll über das bisher Erreichte hinaus nachhaltige Synergieeffekte für Maßnahmen im Rahmen des Landesprogramms schaffen.
Film zur überregionalen Vernetzung

4. Orientierung an den Dimensionen guter gesunder Bildungseinrichtungen

Eine integrierte Gesundheits- und Qualitätsentwicklung in Schulen des Landesprogramms bezieht sich auf eine oder mehrere der Qualitätsdimensionen einer guten gesunden Bildungseinrichtung.

In diesem Rahmen entwickelte Maßnahmen der Gesundheitsförderung und gesundheitlichen Prävention basieren auf salutogenen und pathogenen Ansätzen. Es geht um die Stärkung personaler Ressourcen der Kinder und Jugendlichen, der Lehrkräfte, des sonstigen Personals und der Eltern sowie um die Stärkung systemischer, protektiv wirkender Faktoren der Organisation und der Umwelt der Bildungseinrichtung. Zum anderen geht es um die Verhütung und Verringerung von Gefährdungen und Risiken sowie um die Vermeidung von Krankheiten und Unfällen.

5. Führungs- und Managementaufgabe

Eine integrierte Gesundheits- und Qualitätsentwicklung in Schulen ist nach dem aktuellen Forschungsstand eine zentrale Führungs- und Managementaufgabe und damit Aufgabe der Schulleitungen. Im Rahmen ihrer Gesamtverantwortung für eine Schule und durch ihr Führungshandeln beeinflussen sie entscheidend deren Bildungs- und Gesundheitsqualität und damit auch die Gesundheit aller Beteiligten im jeweiligen Setting.

Neben den Schulleitungen müssen alle Personen, die in Schule und für eine Schule Verantwortung tragen, gesundheitsförderlich und präventiv handeln. Gesundheitsförderung und gesundheitliche Prävention sind zudem im Rahmen des Schulentwicklungskonzepts integrativer Bestandteil aller schulinternen Curricula wie auch außerunterrichtlicher Aktivitäten, z. B. im Ganztag.

6. Partizipation

Eine integrierte Gesundheits- und Qualitätsentwicklung in Schulen baut auf der aktiven Mitwirkung der Beteiligten auf, die dadurch zu Akteuren in einem Prozess der Veränderung von Bildungseinrichtungen werden. Nur durch deren Aktivierung und die Mobilisierung eigener Kräfte (Empowerment) ist eine nachhaltige Veränderung zu erreichen.

7. Gestaltung von Vielfalt und Unterschiedlichkeit

Die integrierte Gesundheits- und Qualitätsentwicklung in Schulen berücksichtigt, dass auf allen Ebenen und in allen relevanten Bereichen der Gestaltung, Entscheidung und Umsetzung die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Menschen wertgeschätzt und geachtet werden. In Verfolgung des Potenzial- und Ressourcenansatzes sind die Ziele auf die Verminderung ungleicher Bildungschancen ausgerichtet.

Besondere Berücksichtigung findet dabei die Inklusion. Unterschiedliche Entwicklungsvoraussetzungen und Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen, von Lehrkräften und weiterem Personal werden geachtet.

8. Wirksamkeit

Eine integrierte Gesundheits- und Qualitätsentwicklung in Schulen wird nachhaltig implementiert, indem gesundheitsförderliche Maßnahmen unter Beachtung der unter Punkt 1 –7 genannten Prinzipien dauerhaft strukturell verankert werden.



[1] Siehe Empfehlung zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 15.11.2012)

[2] Ausführliche Beschreibung siehe Anhang

[3] Siehe Anhang