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Landesprogramm Bildung und Gesundheit

6.2 Aufgabenbereiche der Beraterinnen und Berater

Die Aufgaben der Beraterinnen und Berater beziehen sich vor allem auf die Sekundärprävention.

Relevante Fragestellungen im sekundärpräventiven Bereich, auf die Beraterinnen und Berater Antworten geben müssen, sind z. B:

  • Was sind strafbare Handlungen nach dem Betäubungsmittelgesetz?
  • Muss die Schulleitung strafbare Handlungen im Zusammenhang mit Rauschmitteln sofort der Polizei melden?
  • Muss ich als Lehrer/Lehrerin selbst aktiv werden, festnehmen oder beschlagnahmen, wenn mir strafbare Handlungen bekannt werden?
  • Durch welche Signale kann ich möglichst frühzeitig Hinweise auf Probleme im Umgang mit Suchtmitteln erhalten?
  • Wie kann ich die Beratungsarbeit strukturieren?
  • Wann müssen Lehrkräfte die Eltern informieren?
  • Welche flankierenden Maßnahmen sind sinnvoll, um die noch nicht betroffenen Jugendlichen zu schützen?

Auf diese Fragen wird in dem Rechtsbaustein ausführlich eingegangen. In einer knappen, aber sehr übersichtlichen Art werden diese Fragen in einem Flyer vom „ginko" (Verein für psychosoziale Betreuung im DPWV aus Mülheim an der Ruhr) mit dem Titel „Rauschmittel an Schulen. Was tun!?, 10 Antworten zur Sekundärprävention'" behandelt. Dieser Flyer ist in Mülheim zu beziehen, er ist für Eltern, Schüler, Lehrer und Schulleitungen gleichermaßen interessant.

Im primärpräventiven Bereich, in dem jeder Lehrer/jede Lehrerin vom Erziehungsauftrag der Schule her verantwortlich mitarbeitet, haben die Beraterinnen und Berater für Suchtvorbeugung gegenüber ihren Kollegen vorrangig Informationsaufgaben.

Für die Erfüllung der primär- und sekundärpräventiven Aufgaben benötigen die Beraterinnen und Berater besondere Kenntnisse, Beratungsfähigkeiten und geeignete Materialien.

Mit den vorliegenden Materialien sollen Beraterinnen und Berater für Suchtvorbeugung in Verbindung mit spezifischen Fortbildungsangeboten bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben unterstützt werden.

Die zentralen Aufgabenbereiche der Beraterinnen und Berater für Suchtvorbeugung sind Information, Beratung und Durchführung von Maßnahmen. Im einzelnen geht es dabei um die folgenden Kompetenzen:

Eine entscheidende Voraussetzung wirksamer Suchtvorbeugung in der Schule sind qualifizierte Kenntnisse der Beraterinnen und Berater für Suchtvorbeugung über Ursachen und Erscheinungsformen von Sucht, Abhängigkeiten, süchtigem Verhalten und Suchthaltungen, über Arten, Anwendungen und Wirkungen von Drogen, über Präventionsund Therapiemöglichkeiten sowie über ökonomische und kulturelle Aspekte der Sucht- und Drogenproblematik.

Am wissenschaftlichen Diskussionsstand in Theorie und Praxis orientierte Kenntnisse sind einerseits eine Grundlage qualifizierten Präventionshandelns und andererseits Voraussetzung dafür, dass die Beraterinnen und Berater für Suchtvorbeugung Kollegium, Eltern und Schüler/innen richtig informieren können.

Die Beraterinnen und Berater müssen darüber hinaus über die rechtlichen Grundlagen ihrer Arbeit informiert sein und die wichtigsten Rechtsbestimmungen kennen - z. B. Betäubungsmittelgesetz und Jugendschutzgesetz.

Eine zweite entscheidende Voraussetzung wirksamer Suchtvorbeugung in der Schule ist eine ausreichende Beratungskompetenz der Beraterinnen und Berater für Suchtvorbeugung.

Im Zusammenhang mit qualifiziertem Sachwissen sowie mit Materialien, Handlungskonzepten und Unterrichtsvorschlägen können die Beraterinnen und Berater folgende Beratungsaufgaben erfüllen:

  • Jeweils problem- und situationsbezogene Information bzw. Beratung von Lehrer/innen, Eltern und Schüler/innen über Sucht, Suchthaltungen und Drogen, über Ursachen des Drogenmissbrauchs und Verhaltensmöglichkeiten für alle Beteiligten etc.
  • Beratung von Lehrerkonferenzen, von interessierten Lehrergruppen und einzelnen Lehrerinnen und Lehrern im Hinblick auf Sucht- und Drogenprobleme als Unterrichtsthemen in den einzelnen Schulfächern. In Verbindung mit Unterricht und über ihn hinaus können die Beraterinnen und Berater ihre Kollegen über Möglichkeiten beraten, die Suchtproblematik z. B. im Rahmen einer Projektwoche zu thematisieren, alkoholfreie Klassen- und Schulfeste durchzuführen, in der Schule eine Teestube einzurichten etc.
  • Beratung von Lehrer/innen, Eltern und Schüler/innen, die als Betroffene im Umgang mit sucht- und drogengefährdeten Schüler/innen Hilfe im Hinblick auf Information, Einstellungen und Verhaltensweisen brauchen. Beraterinnen und Berater für Suchtvorbeugung sollten in der Lage sein, mit Lehrern, Eltern und Schülern Gruppen- und Einzelberatung durchzuführen. Persönliche Gespräche mit gefährdeten Schülern sollten sie nur auf deren Initiative hin führen, da diese Schüler sich in der Regel von sich aus eher an Lehrer ihres Vertrauens wenden werden (Klassenlehrer, SV-Lehrer, Tutor etc.). Die Beraterinnen und Berater für Suchtvorbeugung können so angesprochene Lehrer ggf. beraten, sie im Kontakt mit den betreffenden Schülern aber nicht ablösen und ersetzen wollen.

Um möglichst viele Lehrer/innen in primär- und sekundärpräventive Arbeit einzubeziehen, sollten die Beraterinnen und Berater für Suchtvorbeugung Kollegen Wege aufzeigen, sich an der schulischen Suchtvorbeugung im Rahmen ihrer Fachkompetenz zu beteiligen. Sie sollten ihnen qualifizierte Unterrichtsmaterialien zur Sucht- und Drogenproblematik sowie Beispiele und Vorschläge zur Verbesserung des Schullebens empfehlen, die dem neueren Diskussionsstand der Suchtforschung sowie den Wirksamkeitsuntersuchungen von Präventionsmaßnahmen entsprechen.

Unterrichtsmaterialien sollten relevantes Sachwissen in fachlicher und überfachlicher Hinsicht umfassend und differenziert vermitteln, auf die Werte- und Normendimension von Sucht und Drogenkonsum eingehen sowie praktische Arbeits- und Übungsmöglichkeiten zur eigenen Identitätsfindung der Schüler/innen anbieten. Berichte von beispielhaften Vorhaben aus dem Bereich des Schullebens können Anregungen und Impulse geben, an der eigenen Schule auch etwas zur - suchtpräventiv bedeutsamen - Verbesserung des Lebens- und Arbeitsklimas zu tun.

Download des vollständigen Beitrags als PDF-Datei mit den folgenden weiteren Kapiteln.

7. Kooperation innerhalb und außerhalb der Schule
8. Aufgaben der Schulleitungen
9. Stützsysteme der schulischen Suchtprävention
10. Arbeitskreise der Beraterinnen und Berater: Lehrerfortbildung