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Landesprogramm Bildung und Gesundheit

Phase 3 Von der ersten Idee zum realisierbaren Plan

Wie wir von einer ersten Idee zu einem realisierbaren Plan gelangen können (Phase 3)

Ausgangslage:

Ich habe mich mit meiner Kollegiumsgruppe auf eine erste Zielbestimmung festgelegt und die hierfür zentralen Problemaspekte analysiert. Hieraus hat sich eine konkrete Veränderungsfrage ergeben.

Ziele:

Am Ende dieser Phase sollten ...

  • eine erste konkrete Bestimmung der Planungsziele vorgenommen sein;
  • Ideen dazu entwickelt sein, welche Einflüsse mit welcher Stärke auf die gewünschten Ziele wirken;
  • Ideen dazu entwickelt sein, an welchen Zielgrößen Veränderungen in die gewünschte Richtung festgemacht werden;
  • Entscheidungen darüber getroffen sein, welche Faktoren Sie durch Ihr Programm beeinflussen wollen;
  • verschiedene Handlungsalternativen entwickelt sein;
  • eine Entscheidung für ein Zielprogramm getroffen sein;
  • Verantwortlichkeiten klar sein;
  • die Schulleitung unterrichtet sein.

Für eine solche Planung im Verbund mit Kolleginnen und Kollegen sind folgende Schritte hilfreich:

Wir nehmen eine erste gemeinsame und konkrete Bestimmung der Planungsziele vor

Die Ergebnisse des letzten Schrittes der Analyse legen die förderlichen und hinderlichen Faktoren für die Zielerreichung auf unterschiedlichen Ebenen offen. Wenn Sie, für sich alleine arbeiten, werden Sie (in der Regel) grundsätzlich "einstimmige" Entscheidungen treffen. In einer Gruppe von Menschen bestehen verschiedene Vorstellungen darüber, was sinnvoll oder unsinnig ist. Werden solche divergierenden Ideen nicht zu Beginn offen gelegt, arbeitet eine Gruppe nicht effektiv. Die verschiedenen Ideen und Energien werden auf verschiedene Ziele gelenkt, und ein Einigungsprozess wird schwierig. Um ein konkretes Projekt zu entwickeln, sollten Sie sich also zu einigen versuchen, welche Planungsziele Sie erreichen wollen.

Es gibt eine Reihe von Zielen, die in einem gesundheitsförderlichen Programm angestrebt werden können. Insbesondere, wenn Sie den Rückhalt einer Kolleg(inn)en-Gruppe haben, lassen sich Ziele realisieren, die Ihnen als Einzelner/m möglicherweise verschlossen bleiben: z.B.

  • Formen des Umgangs von Lehrern und Schülern,
  • fächerübergreifende Konzepte der Unterrichtsführung,
  • Umgang mit denjenigen, die von den im Mittelpunkt stehenden Aspekten betroffen sind,
  • Schaffung von schulinternen gesundheitsförderlichen "Dienstleistungen".

Nicht vergessen sollten Sie als Ziele dabei auch die Bereiche der Stärkung der persönlichen Ressourcen:

  • positive und aktive Gefühle über sich selbst in dieser Welt,
  • Fähigkeiten und Fertigkeiten zur aktiven Zielerreichung
  • ein kritisches und politisches Bewusstsein

Frau E. moderiert die Planungsgruppe ihrer Schule. Sie benutzt ein Flip-Chart, um die gemeinsame Zielbestimmung vorzunehmen. Hier werden alle Vorschläge notiert, bis die Gruppe zu einer gemeinsam akzeptierten Formulierung kommt.

Wir bestimmen Ziel- und Einflussfaktoren

In diesem Schritt definieren Sie die Größen, die sich durch Ihr Projekt verändern sollen. Natürlich stehen hier die gesundheitsförderlichen Aspekte im Vordergrund, wie sie in den vorangegangenen Kapiteln und zu Beginn dieses Kapitels erläutert wurden. Sie orientieren sich hierbei an den Fragen: "Woran können wir feststellen, dass die erwünschten Ziele realisiert werden?" - "Was verändert sich konkret, wenn die erwünschten Ziele realisiert werden?".

Zusätzlich sammeln Sie alle Faktoren, die einen Einfluss auf diese Zielfaktoren nehmen können.

Herr F. arbeitet in einer Gruppe mit Kolleginnen und Kollegen zusammen, die zum Ziel haben, den Umgang Lehrer-Schüler zu verändern, positiver zu gestalten - Als Zielfaktoren benennen sie auf die Arbeitsfrage "Woran merken wir, dass sich der Umgang zwischen Lehrkräften und Schülerschaft verändert?":

  • Anzahl der Klassenkonferenzen zur Disziplinierung
  • Zahl der Gespräche zwischen Lehrkräften und Schülern/Schülerinnen
  • Störungsfrequenz im Unterricht
  • Häufigkeiten gemeinsamer Aktivitäten
  • Anzahl der Elterngespräche mit förderndem Inhalt
  • ...

Wir prüfen Einflüsse auf die gewünschten Ziele

Haben Sie sich auf ein Ziel geeinigt und die entsprechenden Zielfaktoren und Einflussgrößen bestimmt, entwickeln Sie ein "Bild" der Zusammenhänge. Was wirkt auf was? Diese Wirkungen können Sie sowohl grafisch als auch tabellarisch darstellen. Die wahrgenommenen Zusammenhänge liefern Ihnen die Ansatzpunkte für eine konkrete Veränderungsplanung.

In der Projektgruppe an der Hauptschule in G. tragen die Kolleginnen und Kollegen alle Wirk- und Zielfaktoren zusammen und bestimmen den Einfluss über einen "Papiercomputer". Bei diesem Verfahren von F. Vester werden alle Faktoren in einer Matrix dargestellt (ähnlich wie bei den Entfernungsangaben in Atlanten) und jeweils der Einfluss eines Faktors auf die andere geschätzt. So ergeben sich Einflussstärke und Beeinflussbarkeit, die für die weitere Planung von Bedeutung sind.

Wir entwickeln verschiedene Handlungsalternativen

Die Gruppe bietet den unschätzbaren Vorteil, dass nicht nur mehrere Menschen mehr Ideen produzieren können, sondern sie sich in der gemeinsamen Arbeit zusätzlich anregen und ermuntern können und so neue Ideen produzieren, auf die jeder für sich nie gekommen wäre. Es geht hier also nicht darum, die "einzig wahre und richtige" Lösung zu produzieren - die es ja so sowieso nicht gibt, sondern die Kreativität aller zu verschiedenen neuen, bislang nicht gedachten Lösungen zu nutzen, von denen Sie sich einen Einfluss auf die Zielfaktoren versprechen. Handlungsalternativen erhöhen die Planungs- und Durchführungsflexibilität.

Klären Sie Ihre Handlungsalternativen mit externen Fachleuten, mit Betroffenen in der Schule, mit den Schülerinnen und Schülern und Kolleginnen und Kollegen, bevor Sie eine Entscheidung treffen. Prüfen Sie vor allem, in welchem Verhältnis die von Ihnen erarbeiteten Widerstände und Barrieren zu Ihren Programmentwürfen stehen.

Frau H. und Herr I. arbeiten hierzu mit verschiedenen Methoden. In einem ersten Schritt verwenden sie eine Brainstorming-Technik an, ihre Ideen setzen sie in einer Mind-Map um und beschreiben die drei Handlungsalternativen, die sie entwickeln, jeweils als Netzplan.

Wir entscheiden uns für ein Zielprogramm

Bei mehreren gleichwertigen Ideen ist es oft schwer, eine Entscheidung herbeizuführen. Legen Sie sich auf die Alternative fest, die Ihnen einen Erfolg bei möglichst geringen "Kosten" verspricht. Erfolg ist für die Durchführung und spätere Stabilisierung das beste Kapital. Prüfen Sie daher im Vorfeld Ihrer Entscheidung nicht nur, was sich möglicherweise verändern wird, sondern auch, welchen Einsatz jeder einzelne für diese Veränderung einbringen muss. Erst auf der Basis einer solchen "Kosten - Nutzen - Rechnung" kann jeder Beteiligte verantwortungsvoll Entscheidungen treffen.

Vielleicht haben Sie ja auch so viele Ideen entwickelt, dass Sie hier bereits eine Abfolge von einzelnen Programmen planen können, also nicht nur prüfen, was Sie umsetzen, sondern auch, in welcher Reihenfolge.

Um die Entscheidung für ein Handlungsprogramm vorzubereiten, formulieren die Mitglieder der Projektgruppe im Detail die jeweiligen "Kosten", die die verschiedenen Programme mit sich bringen. So "kostet" etwa der Entschluss, in der Orientierungsstufe mit möglichst wenig Bezugspersonen zu arbeiten, die Bereitschaft, fachfremd zu unterrichten usw..

Die Programme werden von der Projektgruppe konkret vorgestellt und diskutiert, anschließend können alle Orientierungsstufenlehrer mit Hilfe von Punkten ihr Votum für eines der Projekte abgeben.

Wir klären Verantwortlichkeiten

Wenn nichts dagegen spricht, sollte jedes Projekt nach seiner Planung umgesetzt werden. Hierzu ist es notwendig festzulegen, wer welche Aufgaben dabei übernimmt. Dabei sollten Sie bedenken, dass Sie nichts ohne das Einverständnis derjenigen festlegen können, die diese Aufgaben ausführen sollen. Erst wenn deren Zustimmung vorliegt, lassen sich die einzelnen Verantwortlichkeiten klären. Die eigene Entscheidung, etwas beizutragen, hat eine wesentlich höhere Wirkung in Bezug auf die Motivation als ein (ungeliebter) Auftrag.

Beispiel: Nach der Festlegung auf ein gemeinsames Lehrer-Schüler-Lernprojekt (Umgang mit Stress) legt die Gruppe einen Handlungsplan fest:

Wer macht was (mit wem) (für wen) bis wann?

Wir unterrichten die Schulleitung

Wenn es Ihnen nicht gelungen ist, ein Schulleitungsmitglied zum Mitglied Ihrer Planungsgruppe zu machen, sollten Sie auch nach diesem Schritt die Schulleitung über den Stand Ihres Projektes unterrichten.

Ulrich Barkholz, Georg Israel, Peter Paulus, Norbert Posse: Gesundheitsförderung in der Schule. Ein Handbuch für Lehrerinnen und Lehrer. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest 1997.